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  • Foyer5
  • Landestheater Linz
  • # 16 | Jänner-März 2020
  • S. 14-15

Premierenfieber

Phantome der Operngeschichte

Werke, die nie geschrieben wurden

Text: Christoph Blitt

[Landestheater Linz]

Kennen Sie die Oper Melusina von Ludwig van Beethoven oder Giuseppe Verdis Shakespeare-Adaption Re Lear (König Lear)? Und wie sieht es mit Felix Mendelssohn Bartholdys Loreley oder gar Richard Wagners Jesus von Nazareth aus? Wenn Ihnen die Musik zu diesen Opern unbekannt ist, ist das wahrlich keine Schande. Im Gegenteil! Denn es handelt sich hierbei um Projekte, die die Künstler teilweise über Jahre beschäftigten, die aber nie zu einer Ausführung kamen oder gar zur Vollendung gebracht wurden (einzig von Mendelssohns Loreley gibt es einige wenige Nummern, die in einem aufführungsreifen Zustand vorliegen). Das alles heißt aber nicht, dass sich für die Nachwelt die Beschäftigung mit diesen nicht realisierten Werken nicht doch auch lohnen würde, denn hier kann man sehen, für welche Stoffe und Themen Beethoven, Verdi, Mendelssohn und Wagner brannten, und wo sie ihren eigenen Grenzen sahen.

Manchmal stößt man aber bei der Beschäftigung mit nicht komponierten Opern auf wahre Überraschungen. So ist es etwa dem Musikwissenschaftler David Trippett gegangen, als er sich mit Franz Liszt großem Opernplan Sardanapalo beschäftigte. Auch hier war die landläufige Meinung, dass Liszt nichts Verwertbares zu diesem Projekt hinterlassen hätte. Doch als sich Trippett mit den erhaltenen Skizzen beschäftigte, entdeckte er, dass sich daraus der komplette erste Akt dieser Oper rekonstruieren ließ. Und so stellte die staunende Musikwelt 2018 in Weimar bei der konzertanten Uraufführung dieses Sardanapalo-Fragments fest, dass an Liszt tatsächlich ein ebenso originärer wie origineller Opernkomponist verloren gegangen ist. Davon kann man sich nun auch in Linz überzeugen, wenn im Jänner dieser erste Akt von Liszts Großer Oper in der Reihe „Oper am Klavier“ auf dem Programm steht.


OPER AM KLAVIER II
SARDANAPALO
OPERNFRAGMENT IN EINEM AKT VON FRANZ LISZT

Herausgegeben von David Trippett
Text nach der gleichnamigen Tragödie des Lord Byron


25. und 31. Jänner 2020
BlackBox Lounge Musiktheater


Mit Brigitte Geller (Mirra), Rafael Helbig-Kostka (Sardanapalo), Philipp Kranjc (Beleseo), Tommaso Lepore (Musikalische Leitung und Klavier), Christoph Blitt (Dramaturgie und Moderation)

  • Quelle: Foyer5
  • Landestheater Linz
  • # 16 | Jänner-März 2020
  • S. 14-15

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