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  • Magazin Klassik
  • Radio Klassik Stephansdom
  • # 9 | Sommer 2018
  • S. 47

Ära der Musikvermittlung

Text: Marion Diederichs-Lafite

[Radio Klassik Stephansdom]

„Musikland Österreich“ bzw. „Musikstadt Wien“ sind Begriffe, über die ganze Tagungen abgehalten werden; unbestritten dürfte dabei sein, dass es hier ein Alleinstellungsmerkmal in der Dichte an Komponisten (und MusikerInnen) gibt und dass dies mit besonderer Aufmerksamkeit seitens eines relativ breiten Publikums einhergeht.

Ein Element im Leben dieses Musiklandes, mit vielen Durchlässigkeiten ins Internationale, war bis vor kurzem die „Österreichische Musikzeitschrift“. Dem – seit der Aufklärung bestehenden – Typus einer „allgemeinen Zeitschrift“ zugehörig, kombinierte sie wissenschaftsbasierte Themenstellungen mit Kritiken/ Berichten/Portraits/Rezensionen zu Aufführungen, Veranstaltungen, Veröffentlichungen innerhalb des aktuellen Musiklebens.

Als unmittelbare Nachkriegs-/Wiederaufbau-Gründung, somit durch insgesamt 72 Jahre hindurch (1946–1/2018), war sie von einer guten Verbindung aus dem Engagement Einzelner und öffentlichem Interesse (und daraus folgender Förderung) getragen und konnte sich daher circa eine Generation länger bewähren, als vergleichbare Beispiele in anderen Ländern. Sehr viele am Musikleben Beteiligte waren so mit der ÖMZ nicht nur als Leser, sondern auch als Mitarbeiter/Autoren/Thema/Portraitierte verbunden (so auch der Leiter dieses Senders). Durch den Familienbetrieb waren Kontinuität und persönlicher Einsatz gewährleistet. Als nach 65 Jahren 2010 der Zeitpunkt des Rückzugs dieser langjährigen Trägerschaft gekommen war, fiel nicht nur die familienstrukturelle Stütze weg, auch die öffentliche Hand (Bund) pulverisierte fortan die Förderung. Dennoch fand sich 2011 ein Team, das Engagement, Zeit und (eigenes) Geld investierte und es wurden gemeinsam verschiedene Trägermodelle überlegt. Eines davon versuchte, die fünf Musik-Universitäten Österreichs als gemeinsame Partner-Plattform zu etablieren. Es gab drei „Anläufe“, die aber an der Komplexität der Ausgangs- und Interessenslage ebenso scheiterten, wie die Einrichtung eines „genossenschaftlichen Modells“; auch die Petitions-Plattform mit prominenten UnterzeichnerInnen hatte das Blatt nicht wenden können.

Zu sehr hatten sich Rahmen-Bedingungen wie Leser-Verhalten geändert: Die Vervielfachung von medialen Möglichkeiten und Kanälen absorbieren Inhaltsbereiche wie Aufmerksamkeits-Potenziale. Der Fokus richtet sich weniger auf Themen, als auf Communities bzw. Events. Davor aber – auch im Zuge dieser Entwicklungen – hatte die ÖMZ lange Zeit hindurch eine hilfreiche und wichtige Inhaltswie Klammer-Funktion: Sie verband Wissenschaft („Musikdenken“) und „Musikleben“, „klassische“ und „neue“ Musik, Grundsätzliches und Aktuelles. Daher seien diese unverändert wichtigen Anliegen gerade der musikinteressierten Hörerschaft von radio klassik Stephansdom nahe gebracht, die ja die Interessen der ÖMZ bis zu einem gewissen Grad teilt bzw. auch weiterträgt.

  

(ÖMZ: Gegründet 1946 von Peter Lafite; Hg. von 1951–1980: Elisabeth Lafite; von 1980–2010: Marion Diederichs-Lafite; von 2011 bis 1/2018: Frieder Reininghaus) 

  • Quelle: Magazin Klassik
  • Radio Klassik Stephansdom
  • # 9 | Sommer 2018
  • S. 47

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