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  • Auf Reisen - 2/2022
  • S. 4-5

Ein Sommer im Club Naxos

Text: Josef Beheimb

[Styriarte]

Mit „La corona d’Arianna“ gelang dem Steirer Johann Joseph Fux 1726 das Wunder einer Urlaubsoper von den Stränden Griechenlands – erstmals wieder zu hören 2022 bei der Styriarte.


FUX AM MEER
Johann Joseph Fux war nie in Griechenland. Ob er je am Meer war, wissen wir nicht, und wie es der kaiserliche Oberkapellmeister mit seinem Jahresurlaub hielt, ist ebenso wenig bekannt. Wer aber so schöne Klangbilder für das Meer erfinden kann wie Fux in seiner „Arianna“, der hat zumindest eine blühende Urlaubsfantasie. Der steirische Bauernbub dachte vielleicht an die Bäche seiner Jugend oder an die heimische Mur, deren Name schon so sehr nach „Meer“ klingt. „Urlaubsfeeling“ ist jedenfalls eine pure Untertreibung für die Klangwogen, die der Steirer in seiner „Arianna“ aus dem Orchester hervorgezaubert hat. Wie Wellen am schönsten Strand der Ägäis spült der Orchesterklang über die Zuhörer hinweg. Dazu singt der Chor in immer neuen Varianten von der Liebe. Sonne, Sommer und die Liebe gehen einen Dreiklang ein, der sich nur selten nach Moll eintrübt. „La corona d’Arianna“ ist eine taghelle Oper in strahlendem Dur, die mit prachtvollen Trompeten beginnt und endet.

URLAUBSFEELING IM CLUB NAXOS
Zu diesen schönen Urlaubsklängen die passenden Bilder zu erfinden, ist dem Theatergenie Adrian Schvarzstein nicht schwergefallen. Wie wäre es mit einem Club für sonnensüchtige Sommerurlauber? „Naxos“ ist bei der Styriarte 2022 keine Felseninsel in der Ägäis, sondern ein Club für die schönen Jahreszeiten: Singen, Tanzen, Sich-Lieben – „Dolce far niente“. „In der Vorfreude auf die Liebesnacht singt es sich viel fröhlicher!“, so stimmen die schicken Menschen im Naxos an, im angesagten neuen Club auf einer griechischen Urlaubsinsel. Das Meer rauscht im Orchester vorüber, und der Chor singt, trunken von Cocktails und der Liebe, einen Song nach dem andern.

Bacchus erscheint, in der Oper der göttliche Herr der Insel, hier einfach der Star im Club Naxos, der alle Augen auf sich zieht. Nur die enttäuschte Ariadne verweigert sich seinem Charme. Gott sei Dank ist Venus zur Stelle, die Expertin für „Parship“ und „Dating“. Sie findet ihren Weg, um den Widerstand der Ariadne zu brechen. Am Ende setzt sie der jungen Frau die Krone der „Miss Club Naxos“ aufs Haupt – „La corona d’Arianna“. Ein schwerer Fall ist auch das zweite Pärchen im Naxos: die große Göttin Thetis und der schüchterne, kleine Peleus. Auch sie wird Venus am Ende zusammenbringen – beim Happy End nach 70 Minuten.

DAS KAISERPAAR AUF URLAUB
Man sage nicht, derlei Aktualisierungen seien weit hergeholt. Als Kaiser Karl VI. und Kaiserin Elisabeth Christine im August 1726 der Uraufführung der „Arianna“ beiwohnten, befanden sie sich selbst auf Urlaub. Griechenland kam freilich nicht in Frage: Es war von den Osmanen besetzt. Überhaupt war eine „Urlaubsreise“ im heutigen Sinn für ein Kaiserpaar des Barock noch keine Option. Diesen Bruch mit der Etikette erlaubten sich erst Erzherzog Johann und Kaiserin Sissi. Man bestieg die Kutsche und ließ sich von der Hofburg in die Favoritagasse fahren, gleich unterhalb des heutigen Hauptbahnhofs von Wien. Hinter hohen Mauern verbrachte das Kaiserpaar den Sommer in einem Kunst-Griechenland: ein riesiger Teich mit Insel in der Mitte, Gärten, ein Theater, idyllische Orte, soweit das Auge reichte, und in der Nähe wildreiche Jagdgründe. Man lockerte das strenge höfische Zeremoniell für ein paar Wochen und ließ sich zu den kaiserlichen Namens- und Geburtstagen Festopern von Fux aufführen. Gerade die Musik des Steirers muss sich für das Kaiserpaar automatisch mit Sommer und Urlaub verbunden haben.

CHORFEST IN EGGENBERG
Die Styriarte-Produktion verfrachtet dieses barocke Sommermärchen ins Hier und Heute. Neben der Bühne sind es die Kostüme der Lilli Hartmann und vor allem die Musik, die Urlaubsgefühle wecken: der prickelnde Orchesterklang von Zefiro, die fantastischen Solosänger (siehe Seite 6/7) und die Zauberhand von Maestro Alfredo Bernardini. Was „La corona d’Arianna“ aber vor allen anderen Fux-Opern auszeichnet, ist die überragende Rolle des Chores: Der Arnold Schoenberg Chor Wien beschenkt sich zum 50. Geburtstag mit der größten Choroper von Fux. Wie schön die Chöre des Steirers gerade im Arkadenhof von Eggenberg klingen, konnte man schon in der „Psyche“ des letzten Sommers hören. Die „Arianna“ toppt dieses Chorfest noch bei weitem: Chorsatz um Chorsatz bringt sie einen zündenden Einfall nach dem andern. Da sage nur einer, man könne sich im „Naxos“ alias Schloss Eggenberg nicht prächtig amüsieren. Buchungen für die Urlaubsoper werden vom freundlichen Styriarte-Reisebüro noch gerne in Empfang genommen.


SA, 25. Juni, 17.30 & 20 Uhr
SO, 26. Juni, 17.30 Uhr
MO, 27. Juni, 20 Uhr

Schloss Eggenberg (Hof & Park)

Arianna

Fux.OPERNFEST Vol. 5
Fux: La Corona d’Arianna, K 317

Carlotta Colombo, Monica Piccinini, Marianne Beate Kielland, Rafał Tomkiewicz & Meili Li, Arnold Schoenberg Chor Zefiro Barockorchester

Dirigent: Alfredo Bernardini
Inszenierung: Adrian Schvarzstein
Ausstattung: Lilli Hartmann

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  • S. 4-5

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