• Der Weihnachtsabend. Andreas Hofer
  • Erzgebirgische Theater und Orchester
  • Uraufführung. Liederspiele von Albert Lortzing, Saison 2014/15
  • S. 6-7

Albert Lortzing in Detmold

Text: Annelen Hasselwander

In: Der Weihnachtsabend. Andreas Hofer, Uraufführung. Liederspiele von Albert Lortzing, Saison 2014/15, Erzgebirgische Theater und Orchester, S. 6-7 [Programmheft]

Als Albert Lortzing 1826 nach Detmold kam, war er 25 Jahre alt. Seit zwei Jahren war er mit der Schauspielerin Rosina Regina Ahles verheiratet, die er in der Theatertruppe des Südtirolers Josef Derossi kennengelernt hatte, in der er zuvor für neun Jahre engagiert war. Lortzing war ein Theaterpraktiker durch und durch, ein Gaukler mit überschäumendem Termperament, ein vielseitig Begabter, der sich fast alles, was er konnte, selbstständig angeeignet hatte - von der Umgebung, in der er aufwuchs, angeregt und gefördert, aber nie systematisch ausgebildet. Er wurde am 23. Oktober 1801 in Berlin geboren; da betrieben seine Eltern noch ein ererbtes Ledergeschäft in der Breiten Straße, aber eigentlich spielten sie viel lieber Theater in der Theatergesellschaft „Urania“, in der sie sich auch kennengelernt hatten. Seit 1806 liefen die Geschäfte - offenbar durch Napoleons Kontinentalsperre verursacht - noch schlechter als zuvor; die Eltern gaben ihr seßhaftes Dasein auf und arbeiteten von da an als Schauspieler, engagiert in verschiedenen Truppen. Ihr einziges Kind Albert nahmen sie mit nach Breslau, Bamberg und Coburg, wo der 12jährige erste Kinderrollen übernahm, und weiter nach Straßburg und Freiburg, wo Albert durch Mitspielen im Orchester und das Abschreiben von Noten die Gagen der Eltern aufpolsterte. 1817 wurden alle drei Lortzings Mitglieder in Derossis Ensemble, das in Aachen, Bonn, Cölln, Düsseldorf und Elberfeld spielte. Hier debütierte Albert als jugendlicher Liebhaber. Von nun an war auch er Schauspieler - und gleichzeitig Tenor und Bariton. Er stand als Pedrillo in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ oder als Papageno in der „Zauberflöte“ genauso auf der Bühne wie als Schillers „Don Carlos“ oder als Narr in Shakespeares „König Lear“.

In Detmold waren Albert Lortzing und seine Frau am dortigen Hoftheater engagiert, das von Fürst Leopold von Detmold-Lippe unterhalten wurde. Unter der Direktion von August Pichler spielte die Truppe in Detmold, aber auch in Münster, Osnabrück und Bad Pyrmont. (Das bedeutete, dass die Theaterleute viermal im Jahr mit Sack und Pack in die nächste Stadt umziehen mussten.) Lortzing blieb hier mit seiner ständig größer werdenden Familie sieben Jahre lang. Er spielte und sang bei August Pichler alles, was ihm das damalige Theaterrepertoire zu bieten hatte. Auch seine Frau war als Schauspielerin sehr erfolgreich - wenn sie nicht gerade eine Babypause einlegen musste: In seiner Detmolder Zeit wurden dem Ehepaar Lortzing sieben seiner insgesamt elf Kinder geboren.

Hier begann Lortzing auch zu komponieren: 1828 wurde in Münster sein Oratorium „Die Himmelfahrt Jesu Christi“ uraufgeführt, 1830 in Osnabrück seine Bearbeitung von Johann Adam Hillers damals sehr populärem Singspiel „Die Jagd“. In den Jahren 1832/33 entstanden vier Liederspiele: Das auf Anhieb und über Jahre hinweg sehr erfolgreiche Stück „Der Pole und sein Kind“, dann „Der Weihnachtsabend“, „Szenen aus Mozarts Leben“ und „Andreas Hofer“. Der „Pole“ wurde Lortzings erster großer Erfolg. Am 1. Oktober 1832 in Osnabrück uraufgeführt, wurde er - trotz Zensur - bald landauf, landab gespielt. Der „Weihnachtsabend“ wurde bereits wenige Wochen später, am 21. Dezember 1832, „vom Stapel laufen laßen“, wie Lortzing es ausdrückte. Bei dieser Gelegenheit standen Albert und Rosina Lortzing zusammen mit vier eigenen Kindern auf der Bühne. Das Stück hatte einen „gleichen Erfolg wie der Pohle“. „Andreas Hofer“ allerdings wurde sofort von der Zensur verboten und kam bis heute nicht zur Aufführung auf einer Theaterbühne.

Alle vier Liederspiele sind Vaudevilles, das sind Singspiele, deren Texte - auch die Liedtexte - zum allergrößten Teil vom Autor stammen. Die Musik jedoch ist in vielen Fällen nicht von Lortzing komponiert, sondern aus damals sehr bekannten Opern entnommen und mit neuen Texten versehen. Auf diese Weise entstand für das zeitgenössische Publikum eine Art Wunschkonzert im Theater. Nicht alle, aber zahlreiche Melodien sind auch heute noch leicht erkennbar, weil es die populären Stücke aus den Opern Mozarts sind.

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