• La finta giardiniera
  • Staatstheater Nürnberg
  • Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Saison 2025/26
  • S. 15-17

Zur Entstehung von „La finta giardiniera“

Text: Georg Holzer

In: La finta giardiniera, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Saison 2025/26, Staatstheater Nürnberg, S. 15-17 [Programmheft]

Der Auftrag an Mozart zu „La Finta Giardiniera“ kam vom Münchner Hofmusik-Intendanten Graf Seeau, der auch als privater Theaterunternehmer arbeitete und ein Stück für die Faschingszeit des Jahres 1775 brauchte. Sicher war das Honorar nicht üppig, aber für einen nicht übermäßig bekannten 18-jährigen Komponisten war ein solcher Auftrag eine Frage des Prestiges. Mozart ließ sich nicht bitten und stellte die Partitur in kurzer Zeit fertig, sodass die Uraufführung am 13. Januar 1775 im Münchner Salvatortheater stattfinden konnte. In einem Brief an die Mutter berichtet Mozart von einem rauschenden Erfolg. Ganz so herrlich wird es aber wohl nicht gewesen sein, denn nach der dritten Vorstellung war für die „Finta Giardiniera“ Schluss.

Bei der Auswahl des Librettos war Graf Seeau nicht besonders originell vorgegangen: Er hatte sich den Text zu einer Oper von Pasquale Anfossi besorgt, die dieser für den römischen Karneval im Jahr zuvor komponiert hatte. Das Libretto stammt wahrscheinlich von Giuseppe Petrosellini (1727-1799), einem Dichter am Hof der Päpste, aber ob er es wirklich geschrieben hat, wird sich vermutlich nie abschließend klären lassen. Die Frage nach der Autorschaft ist auch nicht sehr interessant, denn der Text ist ein typisches Serienprodukt seiner Zeit. Weder Sprache, Handlung noch Aufbau sind ungewöhnlich oder originell. In der „Opera buffa“, der musikalischen Komödie, waren Neuerungen auch gar nicht erwünscht: Das Vergnügen des Publikums bestand darin, bekannte Handlungselemente in immer neuen Kombinationen zu erleben.

„La Finta Giardiniera“ (wörtlich übersetzt „Die vorgebliche Gärtnerin“ oder „Die, die so tut, als sei sie Gärtnerin“) weist die typische Personenkonstellation der Buffa auf. Chef der Versammlung ist der Podestà, ein ländlicher Würdenträger, der die Rolle des Pantalone aus der Commedia dell’arte übernimmt: ein gutartiger, aber geistig eher beschränkter Provinzfürst, den keiner ernst nimmt, weder in seinen amtlichen Funktionen noch als potenziellen Ehepartner. Das „hohe“ oder „edle“ Paar sind Arminda und Ramiro (eine Partie, die für eine Kastratenstimme geschrieben war). Besonders Ramiros Arien kommen hörbar aus der ernsten Oper, der Opera seria. Die „mittlere“ Ebene („mezzo carattere“) bilden Sandrina und Belfiore. Sandrina/Violante ist als Marchesina zwar von Adel, aber durch ihre Verkleidung und ihr Inkognito schlägt sie sich selbst auf die Seite der Komödienfiguren. Der Graf Belfiore wird durchgehend „Contino“ („Gräflein“) genannt, was nicht gerade für hochadlige Autorität spricht. Sein Schlingerkurs zwischen zwei Frauen trägt auch nicht dazu bei, besonders seriös zu wirken. Das „niedrige“ Paar schließlich sind die Dienerfiguren Serpetta und Nardo. Serpetta ist eine würdige Vorgängerin der Despina aus „Così fan tutte“, keineswegs servil und putzig, sondern sehr zielorientiert, selbstbewusst und kratzbürstig, wenn es nötig ist. Der verliebte Tropf Nardo kann ihr in keiner Hinsicht das Wasser reichen – zweifelhaft, ob die beiden ein Paar mit Zukunft sind. Aber diese Frage stellt sich bei allen drei Paaren, die am Ende zusammenkommen. Der Podestà, der am Ende partnerlos bleibt, hat wahrscheinlich als einziger eine seinem Wesen entsprechende Paarung gefunden, nämlich gar keine.

Fünf Jahre nach der Münchner Uraufführung zeigte die Theatertruppe von Johann Heinrich Böhm Interesse an Mozarts Komödie, wollte sie allerdings in deutscher Sprache aufführen. Mozart war sicher froh, dass das Stück noch einmal gespielt wurde, und stimmte einer deutschen Fassung mit gesprochenen Dialogen zu, sodass sie als von ihm autorisiert gilt. Ob er sie wirklich jemals zur Kenntnis genommen hat, ist unbekannt. Unter dem Titel „Die verstellte Gärtnerin“ wurde die in ein deutsches Singspiel verwandelte Oper 1780 in Augsburg und 1782 in Frankfurt und Mainz gespielt, weitere Aufführungen sind möglich. Für das Fortleben der Oper war die deutsche Fassung mit dem Text von Johann Franz Joseph Stierle jedoch von großer Bedeutung, weil die italienische Originalfassung erst in den 1970er Jahren rekonstruiert werden konnte. Der 1. Akt in Mozarts Autograf ist bis heute verschollen, die Akte 2 und 3 werden in der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau aufbewahrt.

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