- La finta giardiniera
- Staatstheater Nürnberg
- Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Saison 2025/26
- S. 30-31
Narrische Schwammerl
Text: Georg Holzer
In: La finta giardiniera, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Saison 2025/26, Staatstheater Nürnberg, S. 30-31 [Programmheft]
Zwar gehören halluzinogene Pilzsorten (in Österreich „Narrische Schwammerl“) zu den ältesten Rauschmitteln der Menschheit und wurden vor allem in religiösen Kulten in Mittel- und Südamerika verwendet, aber in Europa entdeckte man diese Substanzen erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Ihr wichtigster Wirkstoff ist Psilocybin, das einen psychedelischen Rausch mit optischen Halluzinationen auslöst. Nachdem die Wirkung der Pilze in den 1950er Jahren erstmals wissenschaftlich beschrieben worden war, gelangten sie in den 1960er und 1970er Jahren zu einer gewissen Popularität, analog zum Konsum von LSD, der ähnliche Effekte auf das menschliche Gehirn hat.
Auch wenn psychoaktive Pilze in den letzten Jahren durch die Vertriebswege im Internet eine Renaissance erlebt haben, ist ihr Konsum doch eher etwas für Spezialisten, Liebhaberinnen und Naturfreaks. Ihr Problem ist, dass die Wirkung des Rauschs sehr individuell und deshalb schwer vorauszusagen ist. Während sich der Effekt einer Halben Bier recht gut beschreiben und einschätzen lässt, kann bei der Einnahme von Pilzen alles Mögliche passieren, einschließlich unangenehmer psychischer Erfahrungen und vorübergehender psychotischer Störungen. Wenn es gut geht, fühlt man sich nach der Einnahme von Pilzen leicht, euphorisch, antriebsstark und neigt zu unkontrollierbaren Lachanfällen, ähnlich wie beim Konsum von Cannabis. Außerdem verändert sich die visuelle Wahrnehmung der Umgebung.
In den letzten 20 Jahren gibt es aber wieder zunehmedes wissenschaftliches Interesse am therapeutischen Potenzial von Psilocybin, insbesondere in der Behandlung von Depressionen, Magersucht und Angstzuständen. In Deutschland darf Psilocybin seit einem Jahr in Ausnahmefällen an Patienten abgegeben werden, bei denen andere Therapien versagt haben.
Unklar ist nach wie vor, was die Pilze evolutionär zur Ausbildung psychoaktiver Substanzen ermuntert hat. Vermutet wird, dass berauschte Tiere oder Menschen die Pilzsporen unkontrolliert und zufällig verbreiteten, was gegenüber einer „normalen“ Verbreitung ein evolutionärer Vorteil sein konnte.
- Quelle:
- La finta giardiniera
- Staatstheater Nürnberg
- Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Saison 2025/26
- S. 30-31
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