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  • PROspekt
  • Theater Erfurt
  • # 10 | August-November 2019
  • S. 16-17

Premiere

Zitterwochen statt Flitterwochen

Don Pasquale

Text: Samuel Bächli

[Theater Erfurt]

Samuel Bächli ist nicht nur 1. Kapellmeister des Theaters Erfurt, er hat auch schon zweimal erfolgreich auf der Studiobühne Regie geführt. Nun inszeniert er im Großen Haus die Ehekomödie Don Pasquale, eine italienische Oper von Gaetano Donizetti aus dem Jahre 1843. Wer Samuel Bächlis hintersinnigen Humor schätzt, darf sich auf einen vergnüglichen Opernabend freuen. 

Für viele Opernbesucher ist es wichtig, ob eine Aufführung „klassisch“ ist oder „modern“. Wenn in dieser Hinsicht weder die Inszenierung noch das Bühnenbild eine klare Antwort geben, dann sind es oft die Kostüme, aufgrund derer man alles einsortiert und dann ein Urteil fällt.

Ich möchte mich da nicht festlegen. Einerseits ist es viel interessanter, in einer Aufführung von Don Carlos den spanischen Monarchen Philipp II. zu erleben als – sagen wir mal – den schweizerischen Bankdirektor Joseph Ackermann mit seinem Köfferchen. Andererseits habe ich kürzlich in Marschners Hans Heiling die ganze Familie Krupp auf der Opernbühne erlebt, was viel unterhaltender war als irgendwelche mittelalterlichen Zwerge. Vielleicht ist es wichtiger zu überlegen, was eine Aufführung erzählen will und wie sie es erzählt. Das ist glücklicherweise auch viel anspruchsvoller für das Publikum.

Donizettis Don Pasquale ist ein geradezu vergangenheitssüchtiges Werk. Der Stoff ist uralt und wurde aus der Antike in die commedia dell’arte des 17. Jahrhunderts übernommen. Ein Libretto mit einem so langen Bart war in Paris im Jahre 1843 völlig aus der Zeit gefallen. Da herrschte Meyerbeers Grand opéra und Berlioz, Wagner und Verdi schrieben schon an ihren romantischen Revolutionen. Und was tat Donizetti? Er komponierte über weite Strecken eine (allerdings geniale) Stilkopie der alten Buffo-Opern Rossinis, die sich schon 1816 in die gute alte Zeit von 1770 zurückträumten.

In unserer Aufführung von Don Pasquale sehen wir „versunkene Zeiten“ im wörtlichen Sinne: ein 250 Jahre altes Rokokoschlösschen, dessen Eigentümer angezogen ist wie Leopold Mozart und der alle seine Besucher dazu zwingt, sich ebenso stilgerecht zu verkleiden. Und wenn dann die Traumbraut erscheint als ideale Figaro-Gräfin, dann sieht das nicht nur „klassisch“ gut aus, sondern ergibt viele, ziemlich gemeine Spielmöglichkeiten. Dann ist Norina in so vielen Rollen und in so vielen Kostümen zu sehen, dass man vielleicht mit Einsortieren gar nicht mehr nachkommt. Das wäre doch mal was!

Inhalt und Werk

Don Pasquale, der reiche Hausherr (stilgemäß verkleidet im Kostüm des 18. Jahrhunderts) wartet nach langem Alleinsein auf eine Braut, die ihm sein Hausarzt Doktor Malatesta versprochen hat. Er weiß nicht, dass seine Zukünftige in Wirklichkeit die Geliebte seines Neffen Ernesto ist, die junge Witwe Norina. Diese will unbedingt in Pasquales Haus eine Familie gründen, allerdings ohne ihn. Um das zu erreichen, erfindet Malatesta eine wilde Intrige, wo jeder jeden belügt und verschiedene Rollen spielt. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen ... und das tut es dann auch.

Gaetano Donizettis brillante Partitur von 1843 kombiniert romantischen Schmelz mit der Motorik der Buffo-Opern Rossinis, einer auch damals schon längst vergangenen Epoche. Die uralte Geschichte mit der falschen Braut erlebt in dieser Oper eine ganz neue Lebendigkeit und Komik. Am Ende des Stücks weiß garantiert keiner mehr, wer nun was gewonnen oder verloren hat.

In Paraderollen erleben wir Leonor Amaral (mit 7 Kostümen und 6 Perücken), Siyabulela Ntlale, Rastislav Lalinský und Julian Freibott. Die skurrilen Chorpartien wird der Jugendchor der Chorakademie Erfurt gestalten.


Don Pasquale

Oper von Gaetano Donizetti
Text von Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti
Uraufführung Paris 1843
In italienischer Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung/Inszenierung
Samuel Bächli

Bühnenbild
Hank Irwin Kittel

Kostüme
Frauke Langer

Besetzung
Don Pasquale: Siyabulela Ntlale
Dottore Malatesta: Rastislav Lalinský
Ernesto: Julian Freibott
Norina: Leonor Amaral
Jugendchor des Theaters Erfurt (Chorakademie Erfurt)

Premiere
Sa, 26. Oktober 2019, 19.30 Uhr
Großes Haus

Weitere Vorstellungen
So, 03.11. | Sa, 07.12. | Sa, 14.12.2019 | Mi, 01.01. | Fr, 17.01. | Fr, 31.01. | So, 23.02. | 25.03.2020

Matinee
Regieteam und Ensemble stellen sich vor
So, 20. Oktober 2019, 11 Uhr
Großes Haus, Eintritt frei

Rang frei!
Der exklusive Probenbesuch
Di, 22. Oktober 2019, 18.30 Uhr
99 Zählkarten ab 17.30 Uhr, Eingang STUDIO.BOX, Eintritt frei

gefördert von: [Logo] Stadtwerke Erfurt Gruppe

  • Quelle: PROspekt
  • Theater Erfurt
  • # 10 | August-November 2019
  • S. 16-17

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