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  • Radio Klassik Stephansdom
  • # 7 | Winter 2017/18
  • S. 14-15

Das Estonian Festival Orchestra

Ein Botschafter Estlands erobert die Musikwelt

Text: Ursula Magnes

[Radio Klassik Stephansdom]

Beim Estonian Festival Orchestra gehe es auch um das Selbstbewusstsein der jungen estnischen Musiker- innen und Musiker, um den Blick über die eigenen Grenzen hinaus, erklärt der Dirigent Paavo Järvi. Das gelingt über das Zusammenspiel mit jenen TopMusikerinnen und -musikern, die der Dirigent im Laufe seiner weltweiten Karriere kennengelernt und zum Spiel an Schlüsselpositionen des EFO eingeladen hat. Nach den Aufbaujahren im idyllischen estnischen See- und Badeort Pärnu, absolvierte das Orchester diesen Sommer eine erste erfolgreiche Tournee nach Jūrmala, Kopenhagen, Stockholm und Turku. Aus Anlass der Feierlichkeiten zur Ausrufung der Unabhängigkeit Estlands im Februar 1918 absolviert das EFO im Jänner 2018 eine erste Europa-Tournee mit Erkki Sven-Tüürs eigens dafür komponierten 9. Symphonie im Gepäck. Auch in seiner Musik äußert sich das Besondere der Estnischen Sprache, ist Paavo Järvi überzeugt. Die geopolitische Lage Estlands beeinflusst darüber hinaus die Programme des EFO. Das Ziel ist eine internationale Profilierung mit Werken russischer, estnischer und skandinavischer Komponisten, die das Charisma dieses frischen Klangkörpers anfeuern. Eine Frische, die Paavo Järvi auch gerne zu seinem NHK Symphony Orchestra in Tokyo oder bald zum Tonhalle Orchester in Zürich mitnimmt. Es klingt für ihn mehr als klischeehaft, aber das Estonian Festival Orchestra kennt keine Grenzen. „Man kommt einfach zusammen, um gemeinsam Musik zu machen“, unterstreicht Kollege Andres Kaljuste, selbst junger Dirigent, der im EFO als Bratschist mitwirkt. „Es entsteht eine andere Energie, die in den herkömmlichen Orchester-Besetzungen selten zu erleben ist.“ Paavo Järvi schätzt diese Flexibilität und die schnelle Reaktionsfähigkeit des Klangkörpers, obwohl es unter den Mitspielenden jedes Jahr einen Wechsel gibt. Konzertmeister Florian Donderer lernte Paavo Järvi bei der Kammerphilharmonie Bremen kennen und schätzen. Er hat kurz vor der Probenund Festivalphase in Pärnu gemeinsam mit Viktoria Mullova Arvo Pärts „Tabula Rasa“ aufgenommen. Dass er in Estland in Euro bezahlen kann, begeistert ihn ungemein. Auch die Tatsache, dass der Austausch der unterschiedlichen Klangheimaten der Orchestermitglieder den Orchesterklang konstruktiv nach vorne bringt. Und genau diesen besonderen Spirit möchte er sich und dem Orchester auch nach der ersten Europa-Tournee erhalten. 


Radiotipp   

Tere!*   
8. bis 14. Jänner 2018   

Estnische Woche auf radio klassik Stephansdom   

*Tere bedeutet „Guten Tag“ auf Estnisch  

 

 

  • Quelle: Magazin Klassik
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  • # 7 | Winter 2017/18
  • S. 14-15

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