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  • Magazin
  • Oper Frankfurt
  • November/Dezember 2019
  • S. 28

Neu im Ensemble

Ein Kanadier - demnächst very british

Iain MacNeil, Bariton

Text: Konrad Kuhn

[Oper Frankfurt]

Neu im Ensemble, das fühlt sich im Falle von Iain MacNeil gar nicht so an. Denn der junge Bariton aus Kanada ist zwar seit der Spielzeit 2019/20 neues Ensemblemitglied, er ist jedoch in den vergangenen beiden Spielzeiten als Mitglied unseres Opernstudios schon mit markanten Rollenporträts hervorgetreten. So sang er Mozarts Figaro, Olivier in Strauss’ Capriccio und Werschinin in Peter Eötvös’ Drei Schwestern. Bereits im ersten Jahr im Opernstudio übernahm er 2018 in der Wiederaufnahme von Weinbergs Oper Die Passagierin die tragische Rolle des Tadeusz. Womit sich die Erfolgsgeschichte dieser Institution, die in der vergangenen Spielzeit ihr 10-jähriges Bestehen feierte, auf das Schönste fortsetzt. 

Schon früh stand Iain MacNeil in dem Städtchen Brockville, wo er aufwuchs, auf der Laienspielbühne. Seine unbekümmerte, stets selbstsichere Bühnenpräsenz zeugt bis heute davon. Brockville liegt in der Provinz Ontario am Nordufer des Sankt-Lorenz-Stroms und besticht, so schildert es Iain, durch seine kleine, aber feine Community von Künstler*innen. Zum Studium ging er an die Dalhousie University in Hallifax. Hier begann er zu singen – und verband die Leidenschaft zum Schauspiel damit. Weitere Stationen waren die Universität Toronto sowie das Opernstudio der dortigen Canadian Opera Company. Ausflüge mit dem Center for Opera Studies führten ihn nach Italien, und 2013 nahm er am Young Singers Project der Salzburger Festspiele teil.

Neben dem Singen war Musikmachen, hauptsächlich Jazz, schon immer Teil seines Lebens. Iain MacNeil spielt nicht weniger als acht verschiedene Instrumente – darunter neben Klavier und Gitarre auch Schlagzeug, Ukulele und Mandoline. Wenn er wollte, könnte er sich als Don Giovanni, den er an der Saskatoon Opera sang, bei der Canzonetta »Deh, vieni alla finestra« gleich selbst begleiten! Die zwielichtigen Charaktere liegen ihm; in Kanada hat er u.a. den teuflischen Barbier Sweeney Todd in Sondheims Musical dargestellt.

In Frankfurt stehen mit dem Polizeichef in Lady Macbeth von Mzensk sowie Melot in Tristan und Isolde zwei weitere Fieslinge an. Nachdem er seine Deutschkenntnisse u.a. mit dem Olivier unter Beweis gestellt hat, taucht der sprachbegabte junge Sänger derzeit verstärkt ins Russische ein. Das kyrillische Alphabet hat er sich schon angeeignet. Französisch ist ihm aus der Nachbarprovinz Québec vertraut, und Italienisch hat er durch das Singen schnell gelernt. Nach verschiedenen Rollen in Martinůs Julietta übernimmt Iain MacNeil gegen Ende dieser Spielzeit in Henzes Prinz von Homburg den Feldmarschall Dörfling. In Flotows Martha darf er sein komisches Talent unter Beweis stellen. Sein englischer Ensemblekollege Barnaby Rea, der mit ihm in der Rolle des Lord Tristan alterniert, verleiht diesem eine ganz eigene Note: very british. Davon will sich Iain etwas abschauen; mit Charakterstudien hat er schon begonnen …

  • Quelle: Magazin
  • Oper Frankfurt
  • November/Dezember 2019
  • S. 28

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