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  • Magazin Klassik
  • Radio Klassik Stephansdom
  • # 8 | Frühjahr 2018
  • S. 39

Komponistenporträt

Carl Andreas Goepfert

Der Meininger Mozart

Text: Monika Jaroš

[Radio Klassik Stephansdom]

War er oder war er nicht? Jahrelang stellten sich Musikwissenschaftler die Frage, ob der Meininger Hofmusiker Carl Andreas Goepfert denn nun ein Schüler von Mozart gewesen ist oder nicht. Schließlich war es zu Goepferts Lebzeiten ein offenes Geheimnis, dass der bekannte Klarinettist und Komponist ein großer Bewunderer des Wiener Meisters war und sich nichts sehnlicher wünschte als bei diesem Unterricht zu nehmen. Aus einem mittlerweile aufgefundenen Schreiben von 1811 geht allerdings hervor, dass es wohl nie zu der dafür nötigen und von ihm mehrmals flehentlich angesuchten Dienstfreistellung gekommen ist: „… wenn ich bedenke, was villeicht [sic!] unter Mozarts Händen aus mir hätte werden können. So arbeite ich immer kummervoll und elend...“

So ganz und gar nicht kummervoll und elend liest sich hingegen der Beginn von Goepferts Laufbahn. Der Sohn eines Amtschirurgen kam bereits mit zwölf Jahren zum Würzburger Klarinettenvirtuosen Philipp Meißner in die Lehre und muss rasch enormes Können bewiesen haben, da er mit gerade einmal 20 Jahren das erhielt, was sich viele Musiker oft ein Leben lang vergeblich erhofften: eine festbesoldete Anstellung am Hof eines Adeligen. Für Goepfert sollte sich jedoch die Verpflichtung als Erster Klarinettist der Meininger Hofkapelle und Leiter der Harmoniemusik des Militärcorps als Hemmschuh sondergleichen entpuppen. Über Jahre hinweg immer wieder abschlägig beschiedene Urlaubs- und Abschiedsgesuche zermürbten den in sprichwörtlich musikalischer Leibeigenschaft Gehaltenen, der zudem verzweifelt versuchte, sein kärgliches Gehalt als Kommissionär verschiedener Musikverlage aufzubessern – ein recht aussichtloses Unternehmen in einem rund 4.300 Seelen umfassenden Nest. Am 11. April 1818 verstarb der als scheu, aufrichtig und liebenswert geltende 50-Jährige an völliger Entkräftung ohne je nach Wien gekommen zu sein.

Dennoch. Trotz seiner enttäuschten Mozart-Verehrung bleibt der Name Goepfert mit dem seines Idols eng verbunden. Er gilt nämlich als einer der prominentesten und fähigsten Bearbeiter Mozart’scher Werke für Harmoniemusik. Dass er neben den Übertragungen der „Pariser“ KV 297, der „Zauberflöte“ oder der Gran Partita auch in eigener Sache ein begabtes Komponistenhändchen zeigte, gibt zusätzlich Berechtigung für das Fazit: Carl Andreas Goepfert – ein würdiger Träger des Beinamens „Meininger Mozart“.


Radiotipp

Wer war & wie klingt?

Auf den Spuren von Carl Andreas Goepfert
28. April, 09.05 Uhr
DaCapo 30. April, 20.00 Uhr 
 

  • Quelle: Magazin Klassik
  • Radio Klassik Stephansdom
  • # 8 | Frühjahr 2018
  • S. 39

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