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  • # 7 | August-November 2018
  • S. 12-13

Domstufen-Festspiele in Erfurt 2018

Die 25. Domstufen-Festspiele – Ein Vierteljahrhundert Open-Air-Theater

Interview: Arne Langer

[Theater Erfurt]

Das Jubiläum ist ein guter Grund, auf ein wichtiges Stück Erfurter Kulturgeschichte zurückzublicken. Das haben wir gemeinsam getan mit Dompropst und Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, dem Chordirektor Andreas Ketelhut und Margit Hartmann, Koordinatorin der Sponsoringpartner des Generalsponsors Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen. Sie alle haben (fast) jede der 25 bisherigen Festspielinszenierungen miterlebt, auf unterschiedliche Art und Weise zum Gelingen und der Bekanntheit beigetragen und sich gerne den Fragen von Arne Langer gestellt.

Woran denken Sie, wenn Sie sich an die Anfänge der DomStufen-Festspiele erinnern?

Dr. Reinhard Hauke: Es gab ja schon früher hier Aufführungen durch die Städtischen Bühnen in den 60er Jahren, aber auch die Inszenierungen z.B. des Jedermann durch kirchliche Spielgruppen. Insofern war das Theaterspielen auf den Domstufen schon getestet worden. Aber am Anfang gab es Fragen, z.B. ob das nicht zu gefährlich ist oder wo die Leute sitzen, wenn auf den Stufen gespielt wird. Relativ schnell war auch klar, dass wir wissen wollen, was da gespielt wird, damit es auch zum Ambiente passt. Dann haben wir mit dem Theater verabredet, dass wir immer darüber reden, welches Stück gespielt wird – natürlich unter Berücksichtigung der Möglichkeiten aufgrund der Spieldauer, denn es gab in den ersten Jahren ja noch keine Pause. Eine weitere Überlegung war, zu Gunsten des Doms auch ein bisschen Miete zu bekommen. Die ersten Festspiele fielen übrigens fast mit der Gründung des Bistums Erfurt am 7. Juli 1994 zusammen.


Margit Hartmann: Von den Festspielen hörte ich 1994 im Zusammenhang mit dem Engagement der Sparkassen-Finanzgruppe als Generalsponsor. Ich war beim Sparkassen- und Giroverband tätig und als Zaungast bei der Carmina auf dem Domplatz. Ein Jahr später war eine meiner ersten Aufgaben als Mitarbeiterin bei der Helaba – Landesbank Hessen-Thüringen, die Interessen der beteiligten Sponsoringpartner der Sparkassen-Finanzgruppe zu koordinieren und gegenüber dem Theater als Veranstalter zu vertreten. Damals war das neben unserem Haus die Sparkasse Erfurt (heute Sparkasse Mittelthüringen), die SV Sparkassen-Versicherung, die LBS und die Sparkassen-Kulturstiftung, die bis heute gemeinsam als Generalsponsor die Domstufen-Festspiele begleiten.

Die Helaba hatte wenige Jahre zuvor ihr Engagement beim Rheingau-Musikfestival als Co-Sponsor begonnen und es passte zu unserem Konzept, am zweiten Sitz der Bank in Erfurt die Festspiele zu fördern. Wir wollten hier auch etwas tun, was über das normale Bankgeschäft hinausgeht, die sogenannten weichen Standortfaktoren unterstützen. Zugleich nutzten und nutzen wir die Möglichkeit, Kunden und Partner konzernweit hierher einzuladen und damit die Bekanntheit von Erfurt und den Festspielen zu erhöhen.


Andreas Ketelhut:
Bei mir waren die Anfänge der Festspiele eine unglaublich spannende Zeit. Ich kam 1992 ans Theater und bald danach erzählte mir der damalige Generalintendant Dietrich Taube, dass er diese DomStufen-Festspiele plane, die allein mit dem Opernchor nicht zu bewältigen seien. Und da hab ich dann den Vorschlag gemacht, einen Extrachor aus dem Boden zu stampfen und so entstand der Philharmonische Chor Erfurt. Seitdem ist er jedes Jahr bei irgendeiner Produktion auf dem Dom oder im Theater beteiligt. 1994 bei Carmina Burana sang der Extrachor oben auf den Kavaten stehend. Aber die Technik war ja noch nicht so weit, man hörte dort oben das Orchester immer verzögert. Das funktionierte am Anfang überhaupt nicht und es dauerte wirklich ein paar Proben, bis man sich da so reingehört hatte. Es gab auch noch keine Mikroports für den Opernchor, es hingen Mikrofone über den Stufen.

Ist denn mal richtig was schiefgegangen?

Andreas Ketelhut: Ja! Es gab ja früher auch manchmal Film-Konzerte bei den Festspielen. Einmal wurden Die Planeten von Gustav Holst aufgeführt, da gibt es am Schluss einen kurzen Chor nur mit Vokalisen, d.h. ohne Text, aber trotzdem richtig schwer zu singen. Wir wollten das mit dem Philharmonischen Chor machen, aber ich habe das bei der Generalprobe nicht zusammengekriegt. Ich erwartete nun ein Riesendonnerwetter, aber der damalige Generalmusikdirektor Gugerbauer sagte nur: Dann nehmen wir eben die Orgel. Das ging dann auch sehr gut und in der Zeitungskritik wurde der hervorragende Philharmonische Chor gelobt.


Dr. Reinhard Hauke: Ich erinnere mich an eine Inszenierung, da gab es viele Bischöfe mit übergroßen Mitren. Da hieß es dann mehr als Gag, dass wir bei der nächsten Wallfahrt auch größere Mitren brauchen, sonst sehen wir ja albern aus mit unseren kleinen Dingern. Aber sicher haben wir erkannt, dass wir schon richtig powern müssen, wenn wir die Stufen für kirchliche Veranstaltungen nutzen, da kann man nicht nur drei Blümchen und ein Kreuz hinstellen. Jetzt haben wir immer große Chöre und viele Ministranten im Einsatz, das hat sicher mit den Erfahrungen der Theateraufführungen zu tun.

Was war Ihr besonderes Highlight?

Andreas Ketelhut: Für mich war Der fliegende Holländer das beeindruckendste Stück. Wenn man da unten stand, vor diesem riesigen Schiff, und im zweiten Akt, wenn sich das dann öffnete und die Damen drinnen die Spinnstube sangen. Das war allein technisch unglaublich und insgesamt sehr beeindruckend.


Margit Hartmann: Ich fand Die Lombarden besonders schön. Es gab diese Sandwelle, der Blick auf Dom und St. Severi war mal ein anderer, und das Architekturensemble stellte sich dadurch noch mächtiger dar. Auch den veränderten Blick auf die Stufen fand ich genial.


Dr. Reinhard Hauke: Aber für mich war natürlich die Madonna auf den Stufen bei Cavalleria Rusticana besonders toll. Die Idee war gut und das ist eben auch für den Dom passend. Theologisch spannend war auch Das Spiel vom Ende der Zeiten. Was passiert mit dem Bösen, kann der Teufel auch wieder zum Engel werden? Also das war schon eine steile Aussage. Als ich das Bühnenbild zum ersten Mal sah, dachte ich, die sind ja jetzt völlig abgedreht, die haben wirklich die Stufen zerstört.


Kann man denn auch nach so vielen Jahren die Menschen noch überraschen?


Margit Hartmann: Der Funke, die Begeisterung der Mitwirkenden für ihre Sache, springt auf das Publikum über. Und es sind vor allem auch Festspiele für die Erfurter, die sagen: „unsere Domstufen“. Dabei wissen sie aus Erfahrung: Wer einmal da war, kommt immer wieder.


Andreas Ketelhut: Trotz manchmal widriger Witterung, mal sehr warm, mal sehr kalt, mal regnerisch, ist es etwas Besonderes und Schönes, unter diesen Bedingungen Kunst zu machen. Wir fühlen uns wirklich privilegiert.


Dr. Reinhard Hauke: Wir sind dankbar, dass alles so gut gelungen ist über 25 Jahre, und wenn der liebe Gott will, dann wird es auch so bleiben. 

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