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  • Theater Erfurt
  • # 12 | März-August 2020
  • S. 18-19

Konzert

Abschied nach elf Jahren Theater Erfurt

Text: Malte Wasem

[Theater Erfurt]

Nach vierzig Jahren Theater ist in diesem Sommer Schluss! Samuel Bächli, langjähriger Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor, geht in den wohlverdienten Ruhestand. Höchste Zeit also, auf seine Theaterzeit zurückzublicken. Doch bevor seine letzte Spielzeit zu Ende geht, hat er noch einiges vor.

Samuel Bächli trat 1980 sein erstes Engagement am Theater Freiburg an. Von da ging es über Kassel, Gelsenkirchen, Wiesbaden und Ulm noch einmal nach Gelsenkirchen. Vierzehn Jahre blieb er als Musikdirektor des Theaters dort, 2009 wechselte er an das Theater Erfurt. Seine erste Erfurter Premiere hat er immer noch in besonderer Erinnerung. Amüsiert berichtet er: „Das war Mozarts Figaro am Abend der Bundestagswahl 2009. Jemand kam auf die Idee, die Ergebnisse der ersten Hochrechnung um 18 Uhr auf die Anlage der Übertitel zu projizieren. Dann haben alle über das gute Abschneiden der FDP getuschelt, aber kaum jemand hat noch der Ouvertüre zugehört.“

Es wurde der Auftakt zu elf glücklichen Jahren. Bächli: „Ich habe die Zeit hier wahnsinnig genossen. Und ich habe drei hervorragende und ganz unterschiedliche Generalmusikdirektoren gehabt mit Walter E. Gugerbauer, Joana Mallwitz und Myron Michailidis. Alle drei haben mir große Freiheiten gelassen und auch im Repertoire haben wir uns gegenseitig immer sehr gut ergänzt. Jeder hatte seine eigenen Schwerpunkte.“

Dass Mozarts Figaro nun auch seine letzte Premiere ist, ist aber wirklich ein Zufall. „Das war keine Absicht. Das aktuelle Sängerensemble passt einfach sehr gut zu dem Stück und daher bot es sich an, das Stück in dieser Spielzeit zu machen.“

Vor dem Antritt von Joana Mallwitz war Samuel Bächli zwei Jahre lang kommissarischer GMD. „Ich persönlich sehe mich aber nicht als Generalmusikdirektor. Ich habe das damals für das Theater und das Orchester gemacht, um die Zeit zu überbrücken, und ich konnte mir dabei auch einige große Wünsche erfüllen. Als es dann vorbei war, war es aber auch gut. Als Erster Kapellmeister hatte ich noch mehr Freiräume für die ungewöhnlichen Projekte, die ich machen wollte.“

So war er unter anderem bei drei Produktionen als Regisseur zu erleben. Wie ist er auf die Idee gekommen, auch noch zu inszenieren? „Da ging es mir wie vielen anderen Dirigenten auch. Ich habe mich einfach über manche Regisseure geärgert. Als ich dann drei Jahrzehnte lang szenische Proben gesehen habe, habe ich mir gedacht: ‚Warum nicht auch mal ich?‘ Guy Montavon war offen genug, darauf einzugehen. Mein Debüt war ja zunächst nur eine kleine Produktion der Operette Pariser Leben, bei der ich ausschließlich inszeniert habe. Dass ich später bei Don Pasquale auf der großen Bühne dirigieren und inszenieren würde, war da noch gar nicht abzusehen.“

Nach dem Abschied vom Dirigieren wird er vielleicht noch ein paar einzelne Projekte betreuen. Vor allem aber freut er sich, die bevorstehende Zeit entspannt anzugehen und sich darauf einzulassen, was auf ihn zukommt. Ganz ohne Musik wird es dabei nicht gehen: „Ich habe mir jetzt wieder ein eigenes Klavier gekauft. Damit werde ich sicherlich viele Stunden verbringen und muss mich nicht mehr auf das nächste Konzert oder die nächste Produktion vorbereiten.“

Doch bis dahin hat Samuel Bächli noch einiges vor. Da ist zum einen der Klavierabend „Bächli & Bächli“ am 4. Juni.

An diesem Abend spielt er gemeinsam mit seinem Bruder Tomas vierhändig Klavier. „Mein Bruder ist beruflich Pianist. Er kann also wirklich Klavier spielen, ich werde ihn begleiten“, sagt Bächli gewohnt bescheiden. Für das Erfurter Konzert haben sie ein kontrastreiches Programm zusammen gestellt: Neben drei Sätzen aus dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms – selbst für Klavier zu vier Händen eingerichtet – gibt es zwanzig Fragmente aus Wagners Tristan und Isolde sowie Teile der Klavier-Fassung von Strawinskys berühmt-berüchtigtem Le Sacre du printemps. Bereits am 29. Mai verabschiedet sich Samuel Bächli mit dem 10. Sinfoniekonzert. Sein letztes Konzertprogramm ist eines, das ihm besonders am Herzen liegt: „Das große A-Dur-Klavier-konzert von Mozart ist das einzige Konzert, das mir noch fehlte. Das wollte ich unbedingt machen.“ Mit der Solistin Alina Bercu hat Bächli bereits zusammen Mozart gespielt. Davor gibt es eine Uraufführung: Peter Leipolds Oper Mio, mein Mio wird in der kommenden Spielzeit am Theater Erfurt Premiere feiern. Jetzt präsentiert Bächli eine Suite des Werks seines Kollegen als kleine Vorschau darauf. Was es nach der Pause gibt? So viel lässt sich Bächli entlocken: „Vier Zugaben.“ Dass es sich dabei um Lieblingsstücke von ihm handelt, ist unschwer zu erraten.

Aber was es genau ist, bleibt bis zum letzten Moment geheim.

  • Quelle: PROspekt
  • Theater Erfurt
  • # 12 | März-August 2020
  • S. 18-19

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