Bruckner Orchester Linz
Faszination Musikvermittlung
Albert Landertinger
Interview: Linda Grillmayr
In: Foyer5, # 35 | April-Juli 2025, Landestheater Linz, S. 63 [Publikumszeitschrift]
Der Pionier der Musikvermittlung und Gründer der Orchesterwerkstatt MOVE.ON im Gespräch mit Linda Gillmayr
Wie erinnern Sie sich an Ihre Anfänge als Musikvermittler?
Nach einem Jugendsinfonie-Konzert, das ich spielte, sprach mich ein Junge aus dem Publikum an, warum ich so ernst geschaut hätte. Ich war einfach sehr unglücklich mit dem Konzertformat. Das war für mich auch ein Wendepunkt – ich wollte, dass sich in der Vermittlung etwas ändert. Gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern gehörten wir mit MOVE.ON zu den ersten Orchestern im deutschsprachigen Raum, die Musikvermittlung systematisch einführten. Wir passten die Formate an, gestalteten Familienkonzerte interaktiver, um jede Zielgruppe bestmöglich zu erreichen – heute reicht diese von 0 bis 99 Jahre!
Welche Herausforderungen gibt es in der musikalischen Bildung von Kindern und Jugendlichen?
Der Schlüssel ist die Verbindung zur Lebenswelt der Kinder. Für die Kleinen ist das der Mikrokosmos ihres Kinderzimmers, bei den Älteren der Freundeskreis. Lernen durch Tun ist essenziell – Musikunterricht muss aktiv erlebt werden, ähnlich wie im Malunterricht, wo man nicht nur Bilder anschaut, sondern selbst malt. Musik ist immer auch körperlicher Ausdruck. Deshalb verbinden wir Musizieren bewusst mit Bewegung. Heutzutage braucht es mehr Energie, um selbst kleine Stücke im Klassenzimmer zu erarbeiten. Gründe dafür sind unter anderem weniger Zeit für Musik im Unterricht und eine geringere Konzentrationsspanne der Kinder. Doch der Aufwand lohnt sich: Nach fast jedem Workshop sagen uns die Kinder, dass das gemeinsame Musizieren für sie das Schönste war.
Wie ist es, das Leben als Posaunist und Musikvermittler zu kombinieren?
In den Workshops agiere ich in erster Linie wie ein Musiker, nicht als Musikpädagoge. Wenn ich Konzerte moderiere und dann abends selbst eine Vorstellung spiele, erfahre ich von den Kolleg:innen aus erster Hand, wie es im Orchester angekommen ist. Die Meinung meiner Kolleg:innen ist mir immer sehr wichtig. Dienstlich ist es eine Herausforderung, aber meine Posaunengruppe hat mich dabei immer unterstützt und meine Arbeit geschätzt. Ich möchte mich auch bei allen Kolleg:innen bedanken, die in all den Jahren seit 2002 bei MOVE.ON mitgemacht haben und mitmachen. Ihnen sind die Inspiration und die Begeisterung der Kinder ebenso ein Anliegen.
Dies ist Ihre letzte Saison als Posaunist im BOL. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Ich möchte die Konzertserien Albertos Abenteuer und Topolina fortsetzen. Wir planen eine Singalong-CD mit Highlights von Musik aus den beliebten Filmen und Fernsehserien. In Wien werde ich an einem großen Kulturprojekt namens Cape 10 mitarbeiten und meine Ideen weiterentwickeln. Musik ist meine große Leidenschaft und wird mich weiterhin begleiten.
- Quelle:
- Foyer5
- Landestheater Linz
- # 35 | April-Juli 2025
- S. 63
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