Tiroler Festspiele Erl

Selbst-Giftmorde von Opfern des Patriarchats

Véronique Gens und Corinne Winters triumphieren als starke Selbstmörderinnen: krasse Situationen in Berlioz' «Cléopâtre» und Puccinis «Suor Angelica» mit formaler Exzellenz

Roland H. Dippel • 04. Juli 2026

«Suor Angelica» – Durch die Sünde des Selbstmords zur Seligkeit: Corinne Winters (Angelica) © Xiomara Bender

Wokeness und große Opern passen offenbar schwer zusammen, Empathie und Todesopern über Frauenopfer in patriarchalen Systemen desto mehr. Das bewies die zwei Frauen-Selbstmorde durch Gift zusammenschweißende Sommer-Eröffnungspremiere der Tiroler Festspiele Erl erneut. Intendant Jonas Kaufmann zeigt bei seiner Suche nach wirkungsvollen Titeln solche Konstellationen gerne – in Donizettis «Lucia di Lammermoor», Verdis «La traviata», Wagners «Parsifal». Die nächste Produktion «Der fliegende Holländer» am 11. Juli passt mit Sentas Todessprung perfekt in diese Repertoire-Linie – da allerdings nicht aus Leid, sondern wegen des selbstbestimmten Woll…