Komische Oper Berlin
Entartung, geometrische Strenge, musikalische Gewalt
„Es fließt viel Blut“ im Flughafen Tempelhof: Aribert Reimanns «Lear» als eiskalt glühendes Anti-Event
Roland H. Dippel • 18. September 2026
Aribert Reimanns «Lear»-Vertonung ist und bleibt ein monumentaler Meilenstein des 20. Jahrhunderts. Ausnahmsweise irrte eine euphorisch marktschreierische Kritik nach der Uraufführung 1978 im Münchner Nationaltheater nicht. Sie rühmte die immense Suggestionskraft, die musikdramatische Dichte und die strukturelle Nachhaltigkeit dieses Werkes vollkommen zu Recht. Aus der Perspektive des fortschreitenden 21. Jahrhunderts markiert das Bühnenschaffen des 2024 verstorbenen Komponisten den logischen Abschluss der hochkarätig atonalen 'Literaturoper' im deutschen Sprachraum. Diese Genre-Linie hatte gut fünfzig Jahre zuvor mit Alban Bergs «Wozzeck» begonnen. Dass Reimanns kompromisslose Partitur zu einem veritablen Einnahmeschlager für den Schott-Verlag und zu einem Publikumserfolg avancierte, bl…