Staatstheater Meiningen
Menschliche Erschütterung statt metaphysischem Schauder
Fulminanter Chor, starkes Ensemble: Die Zweitaufführung von Alfred Schnittkes «Historia von D. Johann Fausten»
Roland H. Dippel • 20. September 2026
(Leitung: Roman David Rothenaicher) © Christina Iberl
Der Deutschrusse Alfred Schnittke war ein großer Bewunderer von Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“. Doch bei allem Respekt vor einem kompositorischen Œuvre, das um 1990 zu den heißesten Aktien des zeitgenössischen Konzertbetriebs zählte: Schnittkes finale oratorische Weheklage reicht ästhetisch bei weitem nicht an jene nach innen schreienden Dissonanzen und jenes dunkel-hybride Melos aus Wagner und Schönberg heran, das Mann seinem syphilitisch infizierten Protagonisten Adrian Leverkühn als visionäres Vermächtnis in die Partitur dichtete.
Es ist symptomatisch, dass die dreiaktige Oper «Historia von D. Johann Fausten» nach ihrer Uraufführung an der Hamburger Staatsoper 1995 (unter dem Dirigat von Gerd Albrecht und in der Regie von John Dew) sage und schreibe 31…