Herbsttage Blindenmarkt

Mehr als nur ein schwuler Thronfolger?

Ein ganzer Ort rockt Franz Lehárs komplizierte Tauber-Operette «Der Zarewitsch»

Roland H. Dippel • 03. Oktober 2026

„Warum hat jeder Frühling, ach, nur einen Mai“ – Maja Triler (Sonja) und Clemens Kerschbaumer (Zarewitsch) © Lukas Beck

Auch zur im Wortsinn glanzvollen Eröffnung der Herbsttage Blindenmarkt gerät es zum Pausengespräch einheimischer Ehepaare: Ist der Zarewitsch, dieser ausgeprägte Menschenverweigerer Aljoscha, etwa schwul? Doch darum geht es nicht auf der Bühne der Ybbsfeldhalle – die, wenn nicht gerade Herbsttage sind, als Sporthalle dient und dennoch eine ideale Akustik bietet. Der metiererfahrene und sensibel gebliebene statt routiniert agierende Regisseur Wolfgang Dosch setzt einen anderen Schwerpunkt: Er zeigt den in Franz Lehárs Vertonung so dezidiert russischen Adelsspross als prinzipiellen Verweigerer eines Systems, das die fürstlichen Führungsspitzen beengt und ihrer persönlichen Freiheit beraubt. Konsequent müssen bei Dosch die auf Staatsräson bedachten Figuren des Mini…