Semperoper Dresden
Maskenball ohne Trump
Brav und belanglos bebildert Angela Denokes Inszenierung Verdis «Un ballo in maschera», musikalisch wird der Abend unter Daniele Gatti zum Genuss
Werner Kopfmüller • 06. Oktober 2026
Mit der zeitgenössischen Zensur bekam es Giuseppe Verdi in seinem langen Komponistenleben mehrfach zu tun. Als er etwa den Stoff um das Attentat auf den schwedischen König Gustav III. aufgriff – der Monarch wurde 1792 von Verschwörern während eines Maskenballs gemeuchelt – da hatte er die politische Sprengkraft eines Königsmords auf offener Bühne völlig unterschätzt. Ein zu heißes Eisen vor dem Hintergrund der italienischen Einigungskriege und möglicher Unruhen. Prompt kassierte die Zensur das Werk und bestand auf der Entschärfung des Librettos. So musste die Handlung seines «Maskenballs» notgedrungen ins nordamerikanische Boston verlegt werden, damit es 1859 mit der Uraufführung in Rom klappte. Die Ermordung eines Gouverneurs im fernen Amerika schien verkraftbar, nicht aber die eines eur…