Staatstheater Nürnberg
Trauma-Bewältigung in zauberhaftem Malkasten
Barbora Horáková Joly löst ihr «Tannhäuser»-Regiekonzept szenisch nur bedingt ein, dafür sorgt Roland Böers Dirigat für atmosphärische Dichte
Jens Voskamp • 11. Oktober 2026

Im Thüringer Wald ist ganz schön was los. Der Große Hörselberg beherbergt einerseits das Paradies, anderseits den göttlichen Dienst- und Wohnsitz von Frau Venus, was am Ende aber wohl auf dasselbe hinausläuft. In seiner Nähe zieht die mittelalterliche Pilgerautobahn nach Rom vorbei, versucht ein Hirt seine Herde zusammenzuhalten und vergnügt sich eine Testosteron-starke Jagdgesellschaft beim Wildsau-Treiben durch die Flur. Ja, dieser «Tannhäuser» bewegt sich idealtypisch auf den Pfaden der Nach-Aufklärung: Die Rückbesinnung auf ein nicht der Rationalität verfallenes Hochmittelalter, wo der (christliche) Glaube angeblich Allgemeingut war, bildete ein großes Thema der Romantik, die dennoch vor den säkularen Umwälzungen der ersten Industrialisierungswelle die Au…