Kalchschmids Albenpanorama

10/2026

Ans Herz gelegt: Lieder von Brahms, Mandyzczewski und Mahler und selten gehörte Kastraten-Arien aus Händel-Oratorien, interpretiert von herausragenden Musikern

Klaus Kalchschmid • 23. Oktober 2026

Konstantin Krimmel & Ammiel Bushakevitz: „Melancolie“ (Alpha)

„Melancolie“ nennt sich das berückende Album des Baritons Konstantin Krimmel an der Seite von Ammiel Bushakevitz am Flügel mit zu gleichen Teilen Liedern von Johannes Brahms und Eusebius Mandyzczewski. Beide Wahl-Wiener waren befreundet und schätzten einander, daher liegt ein Album, das sie beide verbindet, nahe. Hier die ernsten Gesänge des Hamburgers, dort die zarten Lieder des Rumänen. Ganz intim und leise mit „Es war ein Markgraf überm Rhein“ und „Unbewegte laue Luft“ beginnt das Programm. Es folgt ein Block mit den drei intimen Mandyczewski-Liedern „Lăcrimioare“ (Maienglöckchen), „La copiilită“ (An ein Mädchen) und „O zi“ (Einst) sowie vier Brahms-Lieder, bevor Mandyzewskis „Cinel-cinel“, ein feines Strophen-Frühlingslied und das leidenschafltiche „În zadar“ (Trost) zu einem dritten Brahms-Block überleiten: „Sommerabend“, „Mondenschein“ und das ebenso hauchzarte „O kühler Wald“ wie „Lerchengesang“. Auf Mandyczewski („Mȃndruliă“ – Holdes Mädchen – und „Frumasă copilita“ – Schönes Mädchen – folgen wieder drei (berühmte) Brahms-Lieder: „Der Tod, das ist die kühle Nacht“, „An die Nachtigall“, „Feldeinsamkeit“ und zwei letzte Mandyczewski-Lieder mit „Das Grab“ und dem tragisch aufflammenden „Der Einsame“: „Ach selbst, wenn einst die Toten vom Grabe auferst´n, wird fremd, wie hier auf Erden, in jener Welt er geh‘n.“ Da geht Krimmel in die Vollen, lässt seinen facettenreichen Bariton in schönstem Fortissimo aufleuchtenden, wie er zuvor auch die Stimme im Leisen berückend  abtönen konnte und dabei vom nicht minder differenziert agierenden Ammiel Bushakevitz am Flügel begleitet wird. (Alpha)

Carlo Vistoli / Le concert d’astrée – Emmanuelle Haïm: „Handel‘s Italians“ (Harmonia Mundi)


„Handel‘s Italians – Italienische Kastraten in den Londoner Oratorien“ ist der sprechende Titel dieses Albums, die einerseits die englischen Uraufführung-Fassungen wie spätere Versionen auf Italienisch oder eigens hinzukomponierte Arien, etwa für Stars wie Carestini umfasst. Besonders fruchtbar war die Zusammenarbeit mit Gaetano Guadagni, der mit 19 Jahren bereits nach London kam und ausschließlich in Oratorien Händels auftrat. Im Zentrum steht hier die für ihn komponierte Partie des Didymus mit Arien und Duetten aus «Theodora» darunter eines, das ihren Abschied voneinander besiegelt: „Ich hoffe, dir auf Erden wieder zu begegnen, im Himmel aber werden wir sicherlich vereint“. Daneben gibt es drei kontrastierende Preziosen aus «Deborah», sowie Ausschnitte aus «Saul»,«Messiah» („But who may abide the day of His coming“) und das Finale aus «Athalia». Betörend auch die Arie des Cyrus aus «Belshazzar», denn Carlo Vistoli ist der überragende Countertenor dieses Albums, besser gesagt ein hoher, schlanker, außerordentlich flexibler Mezzosopran, der ein fast feminines Timbre besitzt. So ist er der manchmal hohen Tessitura wie auch den Koloraturen spielend gewachsen. Le concert d’astrée unter Emmanuelle Haïm steuern den rechten Originalklang bei, der dieses Händel-Album rundum gelungen macht. (Harmonia Mundi)

Andrè Schuen & Daniel Heide: „Mahler Lieder“ (Deutsche Grammophon)


Die großen Liederzyklen Gustav Mahlers passen gerade gut auf eine CD, werden aber selten zusammen aufgenommen, wie jetzt ungemein facettenreich von Andrè Schuen mit Daniel Heide am Klavier. Die „Lieder eines fahrenden Gesellen“ changieren zwischen dem feurigen „Ich hab‘ ein glühend Messer in der Brust“ und den zarten „Zwei Augen“, in den berückenden „Rückert-Liedern“ betört „Ich atmet einen linden Duft“ mit ebenso leiser Intensität wie der Beginn von „Um Mitternacht“ und „Ich bin der Welt abgekommen“. Und auch die fünf «Kindertotenlieder» leben vom Kontrastreichtum des abgründigen „Nun will die Sonn‘ so hell aufgegangen“ mit dem abschließenden „In diesem Wetter, in diesem Braus“.  

Mozarts «Don Giovanni», diese „Oper aller Opern“ (E.T.A. Hoffmann) liegt in zahlreichen Einspielungen vor. Trotzdem machen sie den Livemitschnitt aus dem Teatro olympico in Vicenza nicht überflüssig, da er unter Ivan Fischer mit illustren Sängern aufwarten kann, wie Andrè Schuen in der Titelpartie und Luca Pisaroni als Leporello. Die beiden sind ein eingespieltes Paar und mit Miah Persson (Donna Elvira), Maria Bengtsson (Donna Anna) und Bernard Richter (Don Ottavio) ein fulminantes Quintett. (Deutsche Grammophon)