Theater Dortmund

Zwischen TikTok-Wahn und blutiger Realität

Ernstzunehmende «Mazeppa»-Alternative neben Tschaikowski: In einer furiosen Inszenierung von Martin G. Berger entfaltet die Oper von Clémence de Grandval mit einer prachtvollen musikalischen Gesamtleistung eine für heute relevante Wucht

Roland H. Dippel • 16. März 2026

Groupie im Fantasie-Rausch: Mandla Mndebele (Mazeppa) und Anna Sohn (Matréna) © Björn Hickmann

Was für ein grausames Opernende! In Peter I. Tschaikowskis rauer «Mazeppa»-Vertonung nach Alexander Puschkins Epos „Poltawa“ wird Maria wahnsinnig. Ihr wesentlich älterer Mann Mazeppa hat Marias Familie ausgelöscht und ihren Jugendfreund erschossen. Die historische Figur Iwan Stepanowytsch Masepa (ca. 1639 bis 1709), mit ukrainischer Herkunft in Polen geboren, switchte als Militär strategisch zwischen den Russen unter Zar Peter II. und den Saporoger Kosaken. Er beteiligte sich an Gemetzeln und starb nach der Schlacht von Poltawa schließlich auf osmanischem Gebiet. Masepas berühmter „Todesritt“ ist allerdings eine realitätsferne Legende: Als Strafe für eine illegitime Liebschaft wurde er nackt a…