Staatstheater Nürnberg
Boulevard der Toten
Selten wurde das Personal von Alban Bergs zweiter, unvollendet Oper «Lulu» so amüsant dahingerafft wie in Jens-Daniel Herzogs neuer Inszenierung. Juliana Zara entpuppt sich dabei als ebenso intensive wie individuelle Wahl für die Hauptpartie
Stephan Schwarz-Peters • 18. Mai 2026
Alban Berg liebte das Sprechtheater. Dieser Liebe – und Bergs Blick für fesselnde Bühnenstoffe, die sich im Zusammenwirken mit der Musik in noch fesselndere verwandeln – verdanken wir heute zwei der grandiosesten Opern des gesamten Kanons. Während der Wiener Komponist im frei tonalen, brutal-expressionistischen «Wozzeck» seine schwindelerregende Kunstfertigkeit dezent im Hintergrund ablaufen lässt, um den auf Realität und menschliche Gemeinheit gerichteten Lichtkegel nicht zu verschatten, tritt sie in seiner zweiten, unvollendeten Oper «Lulu» auch im Klangbild in den Vordergrund. Es klingt, als habe Berg die Mechanik der Wedekind’schen Vorlage in seiner Partitur noch einmal…