Ilija Trojanows Operama #1
Samson und Dalila spielen 17 und 4
Camille Saint-Saëns «Samson et Dalila» trieft vor Misogynie und Religiosität, doch das interessiert den Regisseur Richard Jones in seiner Arbeit für das Royal Opera House Covent Garden nicht
Ilija Trojanow • 03. Juni 2026

Wie wäre es, wenn wir von der Hauptfigur ausgehen? Das ist, obwohl sie erst an zweiter Stelle erwähnt wird, zweifellos Dalila. In jeder Hinsicht. Diese Dalila ist eine Schurkin par excellence. Sie ist Lady Macbeth auf Speed, sie ist Eva und die Schlange in Personalunion. Eine weitaus interessantere Figur als der eindimensionale Samson. So ein dämonisches Frauenbild steht allerdings in einer problematischen Tradition: Die Verachtung der Frau in den monotheistischen Religionen, die ideologische Unterfütterung des Patriarchats.
«Samson et Dalila» trieft vor Misogynie. Nichts an Dalila weicht von ihrer Niedertracht und Perfidie ab, eine perfekte musikdramatische Illustrierung des Buches „Ordinary Vices“ der amerikanischen Philosophin Judith Shklar, in dem die Frage des Lasters auf eine überragende Sünde zugespitzt wird &ndas…