Feuer auf dem Operndach

Die Zukunftsperspektiven der Kunstform Oper sind besorgniserregend. Was tun wir dagegen?

24. Juni 2022

Sujet „Feuer auf dem Operndach“ © Benedikt Kobel

Ungefähr ein Drittel aller weltweiten Opernaufführungen finden in Deutschland statt, überdurchschnittlich viele Opernproduktionen werden darüber hinaus in Österreich und in der Schweiz realisiert. Die Zukunftsperspektiven sind indes Besorgnis erregend: Obwohl die Opernhäuser vor der Corona-Pandemie generell gut besucht waren, fühlen sich Immer weniger Menschen diesem bedeutenden Kulturerbe verpflichtet. In der Presse nimmt der Platz für die Opernberichterstattung daher stetig ab. Neue Unterhaltungsformen verbreiten sich in den Feuilletons, das kundige Publikum wird kleiner, und nicht zuletzt verdrängt der berufliche Spezialisierungsdruck zunehmend die humanistische Allgemeinbildung.

Als Folge daraus gerät die Oper auch seitens der politischen Entscheidungsträger in Bedrängnis. Vor allem in kleinen und mittelgroßen Städten wird mit steigender Häufigkeit darüber diskutiert, ob das klassische Musiktheater überhaupt noch eine ausreichend hohe gesellschaftliche Relevanz besitzt, um seine Finanzierung zu rechtfertigen (Beispiele: Linz, Augsburg, Landshut).

Während der Corona-Pandemie hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Oper in der Politik schlechte Karten hat. Es steht zu befürchten, dass den notwendig gewordenen Finanzhilfen an Unternehmen während der Pandemie und sonstige unvorhergesehene Ausgaben im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine radikale Sparmaßnahmen unumgänglich werden – und obwohl die Kultur für unser Zusammenleben essentiell ist, wird die Oper im Verteilungskampf der kommenden Jahre vor große Herausforderungen gestellt werden.

Dabei stiftet das gegenwärtige Musiktheater nicht bloß einen wichtigen Beitrag zur eigenen Kulturgeschichte, sondern ermöglicht in einer zunehmend digitalisierten Welt sowohl das Innehalten - notwendiger denn je in unserer schnelllebigen Zeit - als auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen. Möchte man diese künstlerische und gesellschaftliche Bedeutung der Oper erhalten, dann muss man - besser gestern als heute - nachhaltige Maßnahmen für eine breite Rezeption setzen.

OPERN∙NEWS initiiert und unterstützt Initiativen, die zu einer breiten Opernrezeption beitragen. Im Fokus stehen hierbei sowohl Erwachsene, die mit der Kunstform Oper bislang kaum in Berührung gekommen sind, als auch Kinder und Jugendliche. Als ersten kostenlosen Service hat OPERN∙NEWS mit der OPE[R]NTHEK die erste Online-Bibliothek der deutschsprachigen Opernwelt geschaffen – sie dient Schüler:innen und Student:innen eine zusätzliche überregionale Recherchemöglichkeit bei der Vorbereitung von Referaten und dem Schreiben von Seminararbeiten. 

Darüber hinaus erachten wir es als sinnvoll, auch bei jenen Menschen, die bereits ein Interesse für die Oper entwickelt haben, das Verständnis für jene Aspekte zu fördern, die sich nicht jedem sofort erschließen, wie etwa im Bereich der zeitgenössischen Musik oder der Regiekunst.