Wien Modern
Bildhafte Reise durchs All
Die Kompanie Sirene Operntheater realisiert Rene Clemencics hebräisches Oratorium «Kabbala» mit astronomischen Projektionen in der Kuppel des Planetariums im Wiener Prater
Walter Weidringer • 01. November 2022
Mit einem dumpf grollenden Paukenwirbel fängt alles an. Er schwillt bedrohlich an, bis am Höhepunkt ein elementarer Aufschrei daraus hervorbricht: eine signalhafte Dissonanz des Blechs, gebildet durch zwei Töne der Posaunen im Sekundabstand. Rein intuitiv sei dieser Beginn damals entstanden, hat mir René Clemencic einmal erzählt: Ich werde in diesem Text immer wieder aus diesem 2008 geführten Gespräch zitieren. Zu deuten habe er ihn erst später vermocht: „Der Buchstabe Beth (ב) vertritt die Zahl 2, die Zahl unserer Welt: Bei uns ist alles bipolar. Mit ihm beginnt auch die Bibel: ‚Bereschit‘, ‚Im Anfang‘. Das Aleph (א) davor, mit dem das Alphabet beginnt, die 1, liegt vor unserer begreifbaren Existenz. Es hat keinen Laut, ist nur ein Hauch, existiert physisch eigentlich gar nicht. Gut, es kann ein Voka…