Kurzkritik | Premieren-Stream vom 14.03.2021

»Francesca da Rimini« (Zandonai) - Deutsche Oper Berlin

kostenpflichtig seit 17. März 2021

14. März 2021

Kurzkritik

Wie viele Zuseher*innen sich während dieses Premieren-Streamings wohl gefragt haben (und fragen werden), warum eine musikalisch so vielschichtige und dramaturgisch so meisterhaft gearbeitete Oper wie Riccardo Zandonais »Francesca da Rimini« so selten zu sehen ist? Immerhin hob sich für dieses Meisterwerk erstmals seit dem Lockdown im vergangenen September - ausschließlich für einen Live-Stream - der Vorhang der Deutschen Oper Berlin. Was dann folgte, hatte die Qualität einer Referenzaufnahme - und war im derzeitigen Streaming-Reigen ein weiterer Hinweis darauf, welch hochklassiges Schaffenspotenzial derzeit weitgehend brach liegt: Carlo Rizzis Dirigat verschaffte der Flut an Motiven eine ausgewogene Transparenz und führte das Orchester der Deutschen Oper Berlin zu gleißender Pracht. Gesanglich war die Premiere nicht minder hochkarätig: Die phänomenale Sara Jakubiak - an dem Haus als Korngolds Heliane noch in bester Erinnerung - packte nicht nur stimmlich mit kraftvoll-ergreifender Dramatik, auch darstellerisch verkörperte sie die Zwangsverheiratete, der ihre verbotene Leidenschaft zum Schwager zum Verhängnis wird, bis ins kleinste gestische Detail (ein Portrait dieses langjährigen Frankfurter Ensemblemitglieds finden Sie übrigens in der OPE{R]NTHEK unter  www.opern.news/thek/kapitel/1271). Ebenso makellos agierte Jonathan Tetelman als ihr Liebhaber Paolo, Ivan Inverardi und Charles Workman überzeugten nicht minder als gehörnter Giovanni bzw. als dessen maliziöser Bruder Malatestino. Meechot Marrero (Biancofiore) und Alexandra Hutton (Samaritana) seien exemplarisch als hochklassige Comprimarii genannt. Die Inzenierung besorgte mit Christof Loy ein Garant für eine intensive Personenführung - bei der es im Prinzip nie eine Rolle spielt, in welcher Zeit die Handlung verortet ist. Kurzum: Großartiges Musiktheater, das demnächst auch auf DVD erscheinen soll. (sb)

www.takt1.de/video/stream/francesca-da-rimini-an-der-deutschen-oper 


Musikalische Leitung Carlo Rizzi
Regie Christof Loy
Bühne Johannes Leiacker
Kostüme Klaus Bruns
Licht Olaf Winter
Dramaturgie Dorothea Hartmann

Francesca Sara Jakubiak
Samaritana Alexandra Hutton
Ostasio Samuel Dale Johnson
Giovanni lo Sciancato, genannt Gianciotto Ivan Inverardi
Paolo il Bello Jonathan Tetelman
Malatestino dall’Occhio Charles Workman
Biancofiore Meechot Marrero
Garsenda Mané Galoyan
Altichiara Arianna Manganello
Adonella Karis Tucker
Smaragdi, die Sklavin Amira Elmadfa
Ser Toldo Berardengo Andrew Dickinson
Il Giullare, der Spielmann Dean Murphy
Il Balestriere, der Armbrustschütze Patrick Cook
Il Torrigiano, der Türmer Thomas Lehman

Deutsche Oper Berlin / takt 1:
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