Kalchschmids Albenpanorama

01/2026

Das sollte man nicht verpassen: Puccini-Bio zum Anhören, introvertierte Musik aus dem intimen Salon von Napoleons Ehefrau und die Wiederentdeckung eines Zeitgenossen von Vivaldi und Porpora

Klaus Kalchschmid • 20. Januar 2026

Giacomo Puccini zählt neben Richard Strauss zu den meistaufgeführten (Opern-)Komponisten des 20. Jahrhunderts. In seiner verdienstvollen Hörbiografie-Reihe, die schon 15 Komponisten gewidmet wurde, sind nun drei CDs unter dem Titel „Die Welt zum Weinen bringen“ über Leben und Werk des Italieners, sowie eine Bonus-CD mit „Best of Puccini mit dem Münchner Rundfunkorchester“ erschienen. Der Komponist kommt dabei nicht unbedingt immer gut weg, vor allem was sein Verhältnis zu Frauen angeht, was man ohne zu übertreiben durchweg machistisch nennen darf. Entsprechende Zitate fehlen nicht. Lustiger ist da schon seine Beziehung zu Autos, bei denen er sich immer das neueste Modell gönnt und auch gerne schnell Motorboot fährt. Udo Wachtveitl, nicht nur Tatortkommissar aus München, sondern begnadeter Sprecher, ist der Erzähler, der auch die Entstehungsgeschichte der großen Opern Puccinis und ihre Inhalte beleuchtet, begleitet von geschickt ausgewählten Ausschnitten, die freilich meist allzu knapp ausfallen. Wer mehr hören will, muss die „Best of“ zur Hand nehmen, die neben berühmten Arien aus «La Bohème», «Tosca» und «Turandot» mit Mirella Freni, Carles Castronovo und Javier Camarena auch Entlegeneres und Intimeres wie Lieder und symphonische Intermezzi enthält. (BR Klassik)


Harfe, Hammerklavier und Sopran – was für eine feine Mischung für den intimen Salon von Joséphine, der Gattin Napoleons. Unter dem entsprechenden Titel („Au salon de Joséphine“) versammelt das Album von Coline Dutilleul (Mezzosopran), Aline Zylberajch (Hammerklavier) und Pernelle Marzorati (Harfe) so bekannte Komponisten wie Paisiello, Méhul und Spontini und so unbekannte wie Pierre-Jean Garat, Hortense de Beauharnais, Franҫois-Joseph Naderman oder Charles-Henri Plantade. Die leisen, introvertierten Stücke überwiegen, einschließlich des wohlbekannten „Plaisir d‘amour“ von Jean-Paul-Égide Martini, einer Arie aus Spontinis «La Vestale» und «La mort de Werther» von Louis-Emmanuel Jadin. Aber auch die lebhafteren (Crescentinis „Che ciedi“, Grétrys „Monologue de Mademoiselle de Siant-Yve“) oder fast dramatischen Stücke wie „L‘Orage“ von Hortense de Beauharnais entfalten einen eigenen Reiz. Coline Dutilleul trifft in jeder dieser kleinen Preziosen den richtigen Ton und die passende Farbe, weshalb man sich bei jeder noch so schön gespielten reinen Instrumentalnummer wieder auf ihre Stimme freut. Das Booklet enthält eine englische Übersetzung der französischen Texte. (Ramée)


Antonio Vivaldi und Nicola Porpora zählen zu den bekanntesten Komponisten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, während Giovanni Porta (1675-1755) trotz seiner 30 Opern auch Kennern wenig sagt. In ihrem Album „Prime Donne“ stellt Marina Viotti die drei auf eine Stufe. Die CD beginnt fulminant mit einer Arie aus Antonio Vivaldis «Juditha triumphans», bevor Nicola Porporas sechsteiliges, facettenreiches „Salve Regina“ in F-Dur mit seinen eleganten Verzierungen subtile und vielschichtige Töne anschlägt und nach einem Violinkonzert Vivaldis erneut eine Arie aus «Juditha triumphans» und zwei kurze Kantaten folgen: „Ascende laeta“ RV 635 und „Canta in prato, ride in monte“ RV 636. Wieder beglücken in der strahlend diesseitigen Musik die feine, bewegliche Artikulation der Mezzosopranistin und ihre subtile Ausdrucksintensität. Portas Motette „Volate gentes“ ist mit seinen drei Arien, davon ein „Alleluia“, das entsprechende Gegenstück zu Porporas „Salve Regina“. Das Orchestre de l‘Opéra Royal ist unter Andrés Gabetta ein verlässlicher und stilsicherer, ja geistsprühender Begleiter. Das Booklet enthält eine englische Übersetzung der lateinisch gesungenen Werke. (Château de Versailles Spectacles)