Russlands „Soft Power”
Die Kultur als Kriegswaffe
Kapitel 1: Die Auslandskulturpolitik des Kremls in amtlichen Dokumenten -- Der Politikwissenschaftler Martin Malek analysiert den offiziellen Stellenwert der Moskauer Kulturpropaganda im Ausland
Martin Malek • 22. Februar 2026
Der Präsident Russlands, Wladimir Putin, meinte einen Monat nach dem Beginn des von ihm mit 24. Februar 2022 entfesselten „kolonialen Vernichtungskrieges“ (Milo Rau) [1] gegen die Ukraine, dass aus den Programmen klassischer Konzerte im „Westen“ (bzw. was er dafür hält) die Werke Pjotr Tschaikowskijs, Dmitrij Schostakowitschs und Sergej Rachmaninows [2] sowie russische [russkie] [3] Autoren und ihre Bücher „getilgt“ würden. Und: „Zum letzten Mal haben die Nazis in Deutschland eine solche Massenkampagne zur Vernichtung von unerwünschter Literatur vor fast 90 Jahren durchgeführt.“ [4]
Außerhalb Russlands stellte sich kaum jemand gegen solche bizarren Vergleiche aus Moskau, eher im Gegenteil. So meinte der wohl bekannteste lebende Philosoph Österreichs, Konrad Paul Liessmann, kategorisch über den „Westen“:
„Was nicht ins Bild passt, wird gecancelt. Das trifft neben putinnahen Pultstars und Operndiven zunehmend viele engagierte und untadelige Vertreter der russischen Kultur. […] Im Ernstfall dominieren die politischen Kalküle die Kultur. Manche Übereifrige wollen gleich Tschaikowski aus den Konzersälen und Dostojewski aus den Bibliothekenverbannen. […] Bei manchen Aktionen ukrainischer Institutionen, die den Druck erhöhen sollen, stellt sich […] eine gewisse Irritation ein. Dass über Konzertprogramme nun nicht mehr die dafür Verantwortlichen, sondern die ukrainischen Botschafter entscheiden, hinterlässt […] einen schalen Nachgeschmack […].“ [5]
Was daran stimmt? Sehr wenig. Ein „Canceln“ der „großen russischen Kultur“ in Westeuropa und Nordamerika gab und gibt es faktisch sehr viel weniger als Warnungen vor solchen. Die Behauptung, dass „ukrainische Botschafter“ nun über Konzertprogramme entscheiden, ist nichts als polemisch (oder ein verunglückter Versuch, komisch zu sein).
Dem „Hintergrund“ der russländischen Auslandskulturpolitik, ihren Motiven, Absichten und Zielen wurden im „Westen“ überhaupt nur sehr selten (wenn überhaupt) Aufmerksamkeit geschenkt. Das soll die vorliegende Untersuchung wenigstens ansatzweise leisten. Den Ausgangspunkt bilden dabei offizielle Dokumente zur Außen- und Sicherheitspolitik Russlands, die – richtig interpretiert – wichtige Hinweise liefern und insbesondere explizit machen, dass es Moskau auch im Kulturbereich in erster Linie um die Projektion und ständige Erweiterung des eigenen Einflusses in der Welt geht.
„Die Zusammenarbeit zwischen Diplomatie und Kultur [...] dient den nationalen Interessen Russlands“
In der Verfassung Russlands von 1993 in der Fassung von 2020 (Artikel 44.3) steht: „Jeder ist verpflichtet, für die Erhaltung des kulturellen und historischen Erbes zu sorgen und Denkmäler der Geschichte und Kultur zu schützen.“ [6] In einem Dokument von 2001 (also bald nach Putins Aufstieg zum Präsidenten Russlands) hieß es: „Bei der Umsetzung der Außenpolitik Russlands kommt der Kultur eine besondere Rolle zu.“ [7] Das gleiche Dokument legte offen, dass es bei der Auslandskulturpolitik auch und gerade um die „Effizienz“ der gesamten Außenpolitik des Kremls geht:
„Durch den Einsatz spezifischer Instrumente, Formen und Methoden kann die Kulturdiplomatie einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung grundlegender Ziele und zur Steigerung der Effizienz der russländischen Außenpolitik leisten. Die Zusammenarbeit zwischen Diplomatie und Kultur hat eine lange historische Tradition und dient den nationalen Interessen Russlands.“ [8]
Wenig überraschend zählte ein Dokument von 2014 „die Förderung der russischen [russkaja] Kultur im Ausland“ explizit zur staatlichen Kulturpolitik. [9] Und zwar genau der „russischen“ – und nicht der „russländischen“, was jedenfalls theoretisch die Kulturen auch anderer Völker Russlands umfassen würde. Doch ist in vielen einschlägigen Dokumenten durchaus (so oder ähnlich) von den „Kulturen der Völker der Russländischen Föderation“ die Rede. So ist in einem Dokument von 2010 zu lesen:
„Es sollte angestrebt werden, die besten Errungenschaften der russländischen Kultur – Musik und Theater aller Arten und Genres, darunter Oper, Ballett und Schauspiel, Gesang und Tanz der Völker Russlands, Zirkus und Varieté – im Ausland so breit wie möglich zu präsentieren.“ [10]
Allerdings macht der Kreml in der Praxis geringe bis keine Anstalten, die Kulturen nichtslawischer Völker Russlands wie z.B. Tschetschenen, Tataren, Baschkiren, Tschuwaschen, Jakuten, Burjaten usw. (die sich zudem alle unter massivem Russifizierungsdruck befinden) im Ausland zu vermitteln oder „sogar“ zu bewerben. Moskau beschränkt sich (von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) auf die – in einem ethnischen Sinn verstandene – russische Kultur, und diese wird im Ausland durchaus nachdrücklich „vermittelt“.
Auch und gerade im „Westen“ ist sehr oft von einer „großen russischen Kultur“ die Rede, auch wenn unklar ist, warum ausgerechnet sie „groß“ (oder sogar „größer“) als andere Kulturen sein sollte. Der aus Russland stammende, aber zu Putin oppositionelle und in Berlin lebende Autor Sergej Lebedew meinte angesichts des russländischen Krieges gegen die Ukraine: „Wir sind keine große Kultur mehr. Wir sind einfach eine Kultur.“ [11] Doch keiner anderen Kultur wird im „Westen“ permanent eine solche „Größe“ bescheinigt, wobei ihre Instrumentalisierung zu politischen, imperialistischen und militaristischen Zwecken durch den Kreml erstaunlich oft (bzw. meistens) „unter den Tisch fällt“ [12] – wie auch der Umstand, dass nicht wenige „Säulenheilige“ eben dieser Kultur den Imperialismus Russlands offen unterstützt, gerechtfertigt und verteidigt haben. Das betrifft z.B. Fjodor Dostojewskij (1821–1881), über dessen politische Schriften, darunter sein „Tagebuch eines Schriftstellers“, der deutsche Germanist und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen anmerkte, dass man dort die „slawophile Vorstellung eines russischen Reiches von Moskau bis Lissabon“ finden könne, das „den ganzen degenerierten Westen vom Platz [...] fegen“ solle. „Als Slawophiler befürwortet er eine imperiale Machterweiterung des russischen Reiches.“ [13] Genau das ist allerdings „Musik“ in den Ohren Putins und seiner Ideologen.
Im heutigen Russland kann man unablässig hören, dass die Russen (russkie) das „staatsbildende Volk“ seien – ein Begriff, der die anderen, ethnisch nichtrussischen Völker des Vielvölkerstaates Russland herabsetzen soll und genau das auch leistet. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ließ ihn Putin 2020 in der Verfassung verankern (obwohl er schon Jahre vorher ständig im öffentlichen Raum Verwendung gefunden hatte); politischen, medialen, (sozial)wissenschaftlichen oder anders gearteten Widerstand gegen diese Erniedrigung der ethnischen Nichtrussen hatte es weder in Russland selbst noch im Ausland gegeben. In der „Strategie der staatlichen Nationalitätenpolitik der Russländischen Föderation bis zum Jahr 2036“ vom 25. November 2025 ist auch von einer anzustrebenden „Stärkung der vereinigenden Rolle des russischen Volkes als staatsbildendes Volk“ die Rede. [14] Das soll durch eine Reihe von Maßnahmen geschehen, so u.a. die „Schaffung günstiger Bedingungen für die Erhaltung und Entwicklung der Kultur des russischen Volkes“; „Gewährleistung von Aktivitäten im Bereich der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte und Kultur des russischen Volkes“; „Unterstützung der Tätigkeit von Kulturorganisationen bei der Schaffung zeitgenössischer Werke, die der Popularisierung der Geschichte und Kultur des russischen Volkes dienen“; „Förderung eines nachhaltigen Interesses an der russischen Kultur und Literatur unter den in der Russländischen Föderation dauerhaft lebenden ausländischen Staatsbürgern“ usw. [15]
Ganz grundsätzlich agiert Putins Russland insbesondere gegenüber dem sogenannten „Westen“ (doch ganz entschieden nicht z.B. gegenüber China) hinter einer „Fassade überlegener Selbstsicherheit“ [16]. Und auch im Bereich der Kultur geizen offizielle Dokumente nicht mit Selbstlob. So heißt es in einer „Konzeption für humanitäre Politik der Russländischen Föderation im Ausland“ von 2022:
„Die über Jahrhunderte gesammelte historische Erfahrung, das reiche kulturelle Erbe und das spirituelle Potenzial Russlands haben dem Land einen besonderen Platz im weltweiten Kulturraum verschafft und Möglichkeiten für die erfolgreiche Verbreitung traditioneller russländischer spiritueller und moralischer Werte sowie der besten nationalen Errungenschaften in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Bildung, Sport und Informations- und Kommunikationstechnologien geschaffen.“ [17]
In einem 2014 erstmals verabschiedeten und 2023 sowie 2025 abgeänderten Dokument bezeichnet sich Russland als „Land mit einer großen Kultur, einem gewaltigen kulturellen Erbe, jahrhundertealten kulturellen Traditionen und unerschöpflichem kreativen Potenzial.“ [18] Und die „Konzeption für Außenpolitik der Russländischen Föderation“ (in der Fassung von 2016) verlangte eine „Popularisierung der Errungenschaften der nationalen Kultur“ in der Welt.
Kultur als Werkzeug „nationaler Sicherheit“
In der großen Mehrheit der Länder der Welt wäre es undenkbar, dass Kultur bzw. Auslandskulturpolitik von den Behörden offen und unmissverständlich in einen Zusammenhang mit „nationaler Sicherheit“ gebracht wird. In Russland ist allerdings genau das der Fall. Es geht aus zahlreichen offiziellen Dokumenten hervor, so z.B. der „Strategie der nationalen Sicherheit“ (Fassung von 2009), wo von einem „Zustand der nationalen Sicherheit auf dem Gebiet der Kultur“ die Rede ist. Und das gleiche Dokument betonte, dass es darum gehe, „Bedrohungen auf dem Gebiet der Kultur entgegenzuwirken“. [20] Diese wiederum können nach Kreml-Ansicht praktisch ausschließlich aus dem „kollektiven Westen“ (so ein in Russland omnipräsenter pejorativer Begriff) stammen. Zum „Bereich der Erweiterung und Förderung internationaler kultureller und humanitärer Beziehungen” wird offiziell u.a. die „Ergreifung von Maßnahmen zum Schutz der russländischen Gesellschaft vor einer ideologischen und wertorientierten Expansion von außen und vor destruktiven informationellen und psychologischen Einflüssen” gezählt. [21]
Worauf wird hier angespielt? Das gleiche Dokument von 2014 beschuldigte „eine Reihe unfreundlicher Staaten, internationaler Organisationen und transnationaler Konzerne, ausländische Nichtregierungsorganisationen sowie verschiedene extremistische und terroristische Organisationen“, Aktivitäten zu setzen, „die darauf abzielen, die kulturelle Souveränität der Russländischen Föderation zu untergraben, traditionelle russische spirituelle und moralische Werte zu zerstören und Konflikte im globalen Informationsraum zu verschärfen.“ [22] Das meint natürlich ganz überwiegend „westliche“ [23] Staaten (bzw. „unsere westlichen Partner“, wie insbesondere Russlands Außenminister Sergej Lawrow gerne hämisch formuliert).
Die „Strategie der nationalen Sicherheit“ in der Fassung von 2015 nannte unter sogenannten „nationalen Interessen für die langfristige Perspektive“ natürlich die „Verteidigung des Landes“ an erster Stelle; erst dann folgten andere Punkte, darunter (und zweifellos nicht zufällig in einem Satz zusammen genannt) die „Erhaltung und Entwicklung der Kultur, der traditionellen russländischen geistigen und sittlichen Werte.“ [24] Weiters beklagte das Dokument:
„Bedrohungen für die nationale Sicherheit im Bereich der Kultur sind die Aushöhlung traditioneller russländischer geistiger und moralischer Werte und die Schwächung der Einheit der multinationalen Bevölkerung der Russländischen Föderation durch externe kulturelle und informative Expansion (einschließlich der Verbreitung minderwertiger Massenkulturprodukte), Propaganda für Freizügigkeit und Gewalt sowie rassistische, ethnische und religiöse Intoleranz, ebenso wie der Rückgang der Bedeutung der russischen Sprache in der Welt und der Qualität ihres Unterrichts in Russland und im Ausland, Versuche, die russländische und die Weltgeschichte zu verfälschen, sowie unrechtmäßige Eingriffe in Kulturgüter.“ [25]
Solche und ähnliche larmoyante Beschwerden ziehen sich durch fast alle Dokumente zur russländischen Außen- und Sicherheitspolitik. 2022 hieß es z.B., dass berücksichtigt werden sollte, dass es
„vermehrt Versuche gibt, die Bedeutung der russländischen Kultur und russländischer humanitärer Projekte herabzusetzen, eine verzerrte Darstellung der wahren Ziele Russlands zu verbreiten und durchzusetzen, um die Weltöffentlichkeit mit seinem kulturellen Erbe und seinen Errungenschaften in verschiedenen humanitären Bereichen vertraut zu machen, die Russische Welt [Russkij mir], ihre Traditionen und Ideale zu diskreditieren und sie durch Pseudowerte zu ersetzen.“ [26]
Und 2025 beschwerte sich der Kreml einmal mehr über eine
„zunehmende Russophobie auf internationaler Ebene, die Diskreditierung der russischen Sprache und Kultur sowie der traditionellen Religionen Russlands [27], die verstärkten Bemühungen zur Verfälschung der historischen Wahrheit und zur Auslöschung der historischen Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg.“ [28]
Das sind unablässig wiederholte Verschwörungstheorien, ohne die man in Politik, Medien, Diplomatie, Sozialwissenschaften usw. in Putins Russland grundsätzlich nie ausgekommen ist (auch wenn die Intensität ihrer Verbreitung seit 2014 und dann nochmals ab 2022 – offenbar im Zusammenhang mit dem massiv ausgeweiteten Krieg gegen die Ukraine – drastisch zugenommen hat).
Einer der Schlüsselbegriffe in der „politischen Landschaft“ Russlands ist „Souveränität“ – und zwar durchaus im Sinne des „Kronjuristen des Dritten Reiches“, Carl Schmitt (1888–1985), bei dem der im „Westen“ mitunter plakativ als „Putins Gehirn“ bezeichnete „politische Philosoph“ Alexander Dugin, einer der wichtigsten „Ideologen“ des Kremls, massive „Anleihen“ getätigt hat.
Diese „Souveränität“ heißt in der Praxis: Der Kreml lässt sich in seinen Entscheidungen über Krieg und Frieden von nichts und niemandem, keiner politischen Kraft, Institution oder schriftlichen Vereinbarung in- oder außerhalb Russlands „dreinreden“ – und daher auch nicht von anderen Ländern, internationalen Organisationen oder dem Völkerrecht (ja, nicht einmal vom eigenen, russländischen Recht). Diese Strategie war und ist aus der Sicht des Kremls sehr erfolgreich, da ihr in der internationalen Arena jedenfalls außerhalb der Ukraine kaum jemals nachdrücklich widersprochen wurde (von aktiven Gegenmaßnahmen ganz abgesehen); genau das hat denn auch massiv zur Entscheidung Putins beigetragen, den Großangriff auf die Ukraine 2022 anzuordnen. Dabei ist durchgehend die extrem nationalistische, imperialistische und militaristische Kreml-Ideologie handlungsanleitend, der auch und gerade die Kulturpolitik in In- und Ausland unterworfen ist.
„Kultur muss ein wirksames Instrument sein, um die außenpolitischen und wirtschaftlichen Interessen unseres Landes zu sichern“
Eine so verstandene „Souveränität“ taucht in offiziellen russländischen Dokumenten auch im Kontext der Kulturpolitik auf, so z.B. in den „Grundlagen der staatlichen Kulturpolitik“ (hier in der Fassung von 2025), wo unter den Zielen dieser Politik u.a. eine „Gewährleistung der kulturellen Souveränität der Russländischen Föderation“ und eine „Stärkung der Rolle der Russländischen Föderation im weltweiten humanitären und kulturellen Raum“ genannt werden. Diese „kulturelle Souveränität“ sei die
„Gesamtheit der soziokulturellen Faktoren, die es dem Volk und dem Staat ermöglichen, ihre Identität zu formen, eine soziopsychologische und kulturelle Abhängigkeit von äußeren Einflüssen zu vermeiden, vor destruktiven ideologischen und informativen Einflüssen geschützt zu sein, das historische Gedächtnis zu bewahren und an den traditionellen russländischen spirituellen und moralische Werten festzuhalten.“ [29]
Kultur wird explizit als „Soft Power“ zur Erreichung geopolitischer Ziele nutzbar gemacht. In einem Dokument des Außenministeriums von 2007 hieß es:
„Kultur muss ein wirksames Instrument sein, um die außenpolitischen und wirtschaftlichen Interessen unseres Landes zu sichern und sein positives Image in der Welt zu prägen. Die Erfahrungen der führenden Weltmächte, die diese Ausrichtung als eines der Elemente der ‚Soft Power‘ betrachten und zur Erreichung ihrer Ziele beträchtliche personelle, finanzielle und informative Ressourcen einsetzen, sind ein Beleg dafür.“ [30]
2010 konnte man lesen:
„Durch den Einsatz spezifischer Formen und Methoden der Beeinflussung der öffentlichen Meinung ist die Kulturdiplomatie wie kein anderes Instrument der ‚Soft Power‘ in der Lage, zur Stärkung der internationalen Autorität des Landes beizutragen und als überzeugender Beweis für die Wiedergeburt der Russländischen Föderation als freier und demokratischer Staat zu dienen.“ [31]
Die Außenpolitische Konzeption (Fassung von 2013) konkretisierte:
„‚Soft power’, ein umfassendes Instrumentarium zur Erreichung außenpolitischer Ziele, das auf dem Potenzial der Zivilgesellschaft, auf Informationen, kulturellen und anderen Methoden und Technologien aufbaut, die eine Alternative zur traditionellen Diplomatie darstellen, wird zu einem unverzichtbaren Bestandteil moderner internationaler Beziehungen.“ [32]
Kultur als Instrument russländischer „Soft Power“ blieb auch weiterhin auf der Tagesordnung der Kreml-Führung. Schon nach dem Großangriff auf die Ukraine wurde verlautbart:
„Die russländische Kultur ist ein wichtiger und untrennbarer Bestandteil der Weltkultur. Als Instrument der ‚Soft Power‘ trägt sie zur Stärkung des internationalen Ansehens Russlands, zur Bildung einer objektiven Wahrnehmung des Landes im Ausland und zur Neutralisierung antirussischer Stimmungen politisch-ideologischer Herkunft bei. Die internationale kulturelle und humanitäre Zusammenarbeit soll günstige Bedingungen für die Umsetzung außenpolitischer Ziele schaffen und gleichzeitig zur Aufnahme eines konstruktiven Dialogs und zur Überwindung von Meinungsverschiedenheiten mit ausländischen Partnern beitragen.“
Kultureller Austausch mit dem Ausland diene dazu, „ein objektives Bild von Russland als freundlichem und demokratischem Staat zu vermitteln“
Und im gleichen Dokument heißt es, dass das offizielle Russland „Kultur als Instrument zur Erreichung von gegenseitigem Verständnis und zur Überwindung von Konflikten zwischen Staaten und Völkern“ betrachte.“ [33] Natürlich ist es grotesk, etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Ukraine von einem „konstruktiven Dialog“ und der „Überwindung von Meinungsverschiedenheiten mit ausländischen Partnern“ durch eine „internationale kulturelle und humanitäre Zusammenarbeit“ zu phantasieren. Und nur noch mit der Absicht, sich möglichst höhnisch zu zeigen, ist die Aussage im gleichen Dokument zu erklären, dass der kulturelle Austausch mit dem Ausland auch dazu diene, „ein objektives Bild von Russland als freundlichem und demokratischem Staat zu vermitteln, der offen für die Interaktion mit den Kulturen anderer Völker“ sei. [34]
Die offensichtlichen Unernsthaftigkeiten in offiziellen russländischen Dokumenten begannen aber lange vor 2022. So enthielt ein Dokument aus dem Jahr 2010 die folgende Passage:
„Angesichts der Globalisierung und der zunehmenden Versuche, die Welt nach zivilisatorischen Gesichtspunkten zu spalten, kann die umfassende und wirksame Nutzung des spirituellen und kulturellen Potenzials der Russländischen Föderation dazu beitragen, ein objektives und positives Bild unseres Landes zu vermitteln. Wirksame Maßnahmen in dieser Richtung dienen dem Interesse, die Zahl der Freunde Russlands zu erhöhen, der Entstehung neuer Trennlinien entgegenzuwirken und antirussländische Stimmungen politisch-ideologischer Herkunft zu neutralisieren.“ [35]
Natürlich muss auch hier „zwischen den Zeilen“ gelesen werden. „Objektiv und positiv“ meint: nach Meinung des Kremls. Völlig zutreffend ist hingegen, dass es diesem darum geht, „die Zahl der Freunde Russlands zu erhöhen“ – in dem Sinne, dass möglichst viele Politiker, Parteien, Medien, Wissenschaftler, Kulturschaffende usw. im Ausland Putins Politik unterstützen sollen. Im gleichen Dokument hieß es, dass das „Potenzial der Kultur als wirksames Instrument zur Überbrückung von Differenzen zwischen Staaten” zunehme. [36] Die russländische Kultur zeichne sich „aufgrund der Besonderheiten ihrer historischen Entwicklung durch Offenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber den Kulturen anderer Länder und Völker aus.“ [37] In Russland gäbe es „ein dynamisches kulturelles Leben unter den Bedingungen der Vielfalt und der Freiheit der Kreativität, des Meinungspluralismus und ohne Zensurbeschränkungen.“ [38] (!)
Demgegenüber ist es völlig glaubwürdig, wenn offizielle russländische Dokumente anführen, dass Moskau die „Schaffung eines positiven Bildes von Russland“ [39] anstrebt; man arbeite „an der Schaffung eines positiven Images Russlands, das der Autorität seiner Kultur entspricht“. [40] Eindeutig zutreffend ist zudem die Aussage, dass es dem Kreml auch und gerade um die „Förderung einer positiven Wahrnehmung der Russländischen Föderation in der Welt“ sowie die „Verbreitung der russischen Sprache und Kultur der Völker Russlands in anderen Staaten“ gehe. [41] Überhaupt werden die russische „Sprache und Kultur“ in offiziellen russländischen Dokumenten oft in einem Atemzug genannt. So heißt es z.B., dass „eine zentrale, verbindende Rolle im historischen Bewusstsein des multinationalen russländischen Volkes der russischen Sprache und der großen russischen Kultur zukommt.“ [42] Diese „Sprache und Kultur“ waren vom Kreml ab 1991 auch als Werkzeuge zur Förderung der „Integration im postsowjetischen Raum“ [43] gedacht, die allerdings spätestens nach dem Beginn des russländischen Großangriffs auf die Ukraine jedenfalls in der ursprünglichen Form praktisch von der Tagesordnung verschwunden ist.
Schon in einem Dokument von 2001 war zu lesen:
„Bei der Umsetzung der Auslandskulturpolitik Russlands nimmt die Arbeit zur Stabilisierung und Stärkung der Position der russischen Sprache, zur Ausweitung ihrer Verwendung in der internationalen Kommunikation, einschließlich im Bereich der Tätigkeit internationaler Organisationen, sowie zur Erhaltung ihres Status als Weltsprache einen besonderen Platz ein. Die russische Sprache muss ein wichtiges Instrument bleiben, um andere Völker an die russländische Kultur heranzuführen, und ist einer der Schlüsselfaktoren für die Bildung einer positiven Wahrnehmung Russlands in der Weltgemeinschaft. Im Rahmen der durch das Völkerrecht gebotenen Möglichkeiten muss jedem Versuch, die russische Sprache zu benachteiligen oder zu diskriminieren, entschlossen entgegengewirkt werden.“ [44]
„Eine der wichtigsten Prioritäten der Auslandskulturpolitik ist die systematische und vielseitige Unterstützung russländischer Landsleute [...] in den Bereichen Kultur, Sprache, Bildung und Information.“
Moskau hat dabei immer wieder (wenngleich mit wechselhaftem Erfolg) versucht, die „ethnisch russische“, russländische bzw. „russischsprachige“ Diaspora in der ganzen Welt (und insbesondere in den postsowjetischen Republiken sowie in Westeuropa und Nordamerika) zu instrumentalisieren. Sie wird offen als Hebel u.a. „zur Ausweitung und zur Festigung der Verbreitung der russischen Sprache und Kultur“ angesehen [45] und ist bedeutender Gegenstand der Aufmerksamkeit der Moskauer Geheimdienste. 2001 konnte man lesen:
„Eine der wichtigsten Prioritäten der Auslandskulturpolitik ist die systematische und vielseitige Unterstützung russländischer Landsleute, der Schutz der Rechte von dauerhaft im Ausland lebenden russländischen Staatsbürgern und die Unterstützung bei der Verwirklichung der Rechte der russischsprachigen Bevölkerung ausländischer Staaten in den Bereichen Kultur, Sprache, Bildung und Information.“ [46]
2013 versprach Moskau,
„die Rechte und legitimen Interessen der im Ausland lebenden Landsleute auf der Grundlage des Völkerrechts und der internationalen Verträge der Russländischen Föderation zu schützen und dabei die millionenstarke russische Diaspora als Partner zu betrachten, unter anderem bei der Ausweitung und Stärkung des Raums der russischen Sprache und Kultur.“ [47]
In vielen einschlägigen Dokumenten und Aussagen von russländischen Politikern, sogenannten „Polittechnologen“, Diplomaten usw. ist seit langer Zeit direkt von der „Notwendigkeit“ einer „Entwicklung” bzw. „Erweiterung“ des Netzes russländischer „Kulturzentren“ (bzw. „Zentren für Wissenschaft und Kultur“) im Ausland die Rede. [48] Es ist ein „offenes Geheimnis“, dass diese natürlich ausschließlich staatlich gelenkten „Zentren“ der Projektion von politischem Einfluss dienen, [49] doch können sie in den meisten „westlichen“ Ländern, darunter Österreich, auch nach 2022 völlig uneingeschränkt arbeiten, während die russländische Armee unablässig Kultureinrichtungen in der Ukraine zerstört und deren Personal ermordet. Der natürlich uneingestandene Grund für diese Situation ist die ständige „westliche“, von Gerd Koenen so bezeichnete „selbst-idiotisierende Angst“ [50] vor „Eskalation“, die man in Russland wiederum – und zwar zu Recht – als Schwäche rezipiert. Und eine solche nützt der Kreml konsequent aus.
Eine besonders anschauliche Illustration dieser Lage ist das große „Russische Haus“ auf der Friedrichstraße im Zentrum von Berlin (29.000 Quadratmeter auf sieben Etagen), das die deutschen Behörden nicht sperren – trotz der dort verbreiteten, „üblichen“ russländischen Hetzpropaganda gegen die Ukraine und den „kollektiven Westen“ [51] sowie dem Umstand, dass sein Betrieb sehr wahrscheinlich die seit Juli 2022 bestehenden EU-Sanktionen gegen die zum Außenministerium ressortierende Agentur Rossotrudnitschestwo verletzt, [52] die diese „Häuser“ bzw. „Zentren“ betreibt. Und solche Einrichtungen haben insbesondere in verschiedenen Dritte-Welt-Ländern Söldner für den Krieg gegen die Ukraine angeworben [53] (!), ohne dass deswegen in der EU eine Welle ihrer Schließung eingesetzt hätte.
Das abschließende zweite Kapitel dieser Analyse folgt am Dienstag, den 24. Februar
Dr. Martin Malek befasst sich als Politikwissenschaftler u.a. mit „Failed-states”-Theorien, dem Monitoring von ethnischen Konflikten in der früheren Sowjetunion sowie der Analyse von Sicherheits-, Militär-, Sprach- und Religionspolitik der früheren Sowjetrepubliken. Er ist Autor zahlreicher Artikel und mehrerer Bücher, darunter „Der Zerfall der Sowjetunion. Ursachen – Begleiterscheinungen – Hintergründe” (herausgegeben zusammen mit Anna Schor-Tschudnowskaja, Nomos Verlag. Baden-Baden 2013).
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Quellen & Anmerkungen
[1] Milo Rau: Russland aus dem Hals reißen: Ein Besuch in Kiew. Die Presse, 03.12.2026, S. 26-27, hier S. 26.
[2] Die Nennung gerade dieser drei unzweifelhaft großen Komponisten durch Putin wirft allerdings einige Fragen auf. So war Tschajkowskij (1840–1893) homosexuell, was im heutigen homophoben Russland mit seiner unablässigen (wenngleich heuchlerischen) Betonung „traditioneller Familienwerte“ eigentlich als „hochgradig problematisch“ gelten müsste. Sergej Rachmaninow (1873–1943) verließ Russland nach der im Oktober 1917 erfolgten Machtergreifung von Wladimir Lenins Bolschewiki; Ende 1918 wanderte der Pianist und Komponist in die USA aus, deren Bürger er kurz vor seinem Tod wurde. Nachdem er Anfang 1932 einen gegen die sowjetische Kulturpolitik gerichteten Zeitungsartikel unterzeichnet hatte, wurden seine Werke in der UdSSR faktisch verboten, und er sah sich dort einer Hetze der staatlichen Medien ausgesetzt; vgl.: Sylvia Schreiber: Aufführungsverbot nach New York Times-Artikel. BR Klassik, 12.01.2022, https://www.br-klassik.de/themen/klassik-entdecken/sergej-rachmaninow-boykott-in-der-udssr-was-heute-geschah-12011931-100.html (28.01.2026). Und Schostakowitsch war anlässlich seiner 1934 in Leningrad uraufgeführten (und in der UdSSR wie im Ausland beim Publikum erfolgreichen) Oper «Lady Macbeth von Mzensk» ab Anfang 1936 Ziel einer Propagandakampagne in sowjetischen Medien. Insbesondere 1937 fürchtete er seine Verhaftung, die aber nicht erfolgte (vgl. Julian Barnes: Der Lärm der Zeit. Köln 2017).
[3] Der Unterschied zwischen „russisch“ (russkij) und „russländisch“ (rossijskij) ist (auch) für das vorliegende Thema wichtig: Ersterer Begriff bezieht sich auf die ethnische Komponente, zweiterer auf Russland als Staat. So sind Tataren, Tschetschenen, Inguschen, Jakuten, Baschkiren usw. ethnisch nichtrussische Völker, aber – da sie auf dem Gebiet Russlands leben – „russländisch“.
[4] Zitiert nach: Daria Erozbek: Putin: Die „Kultur der Absage“ hat sich in eine Absage der Kultur verwandelt [Дарья Эрозбек: Путин: «культура отмены» превратилась в отмену культуры]. Kommersant, 25.03.2022, https://www.kommersant.ru/doc/5280435 (27.01.2026).
[5] Konrad Paul Liessmann: Lauter Lügen und andere Wahrheiten. Wien 2023, S. 230f.
[6] Die Verfassung der Russländischen Föderation. Präsident Russlands [Конституция Российской Федерации. Президент России], http://www.kremlin.ru/acts/constitution/item (11.02.2026).
[7] Die Hauptrichtungen der Arbeit des russischen Außenministeriums zur Entwicklung der kulturellen Beziehungen Russlands mit anderen Ländern (genehmigt vom Außenminister der Russischen Föderation I. S. Ivanov am 23. Februar 2001 [Основные направления работы МИД России по развитию культурных связей России с зарубежными странами (Утверждены Министром иностранных дел Российской Федерации И. С. Ивановым 23 февраля 2001 года)], https://studfile.net/preview/13193182/page:52/ (23.11.2025). Das wurde auch in der Folge ähnlich bis gleich wiederholt; vgl. z.B. Grundzüge der Politik der Russischen Föderation im Bereich der internationalen kulturellen und humanitären Zusammenarbeit (verabschiedet vom Präsidenten der Russischen Föderation am 18. Dezember 2010). [Основные направления политики Российской Федерации в сфере международного культурно-гуманитарного сотрудничества (Утверждены Президентом Российской Федерации 18 декабря 2010 года)]. https://legalacts.ru/doc/osnovnye-napravlenija-politiki-rossiiskoi-federatsii-v-sfere/ (09.02.2026).
[8] Die Hauptrichtungen der Arbeit des russischen Außenministeriums zur Entwicklung der kulturellen Beziehungen Russlands mit anderen Ländern [Основные направления работы МИД России по развитию культурных связей России с зарубежными странами], a.a.O.
[9] Dekret des Präsidenten der Russischen Föderation vom 24. Dezember 2014 Nr. 808, Über die Verabschiedung der Grundlagen der staatlichen Kulturpolitik. Mit Änderungen und Ergänzungen vom: 25. Januar 2023, 17. Juli 2025 [Указ Президента РФ от 24 декабря 2014 г. N 808 Об утверждении Основ государственной культурной политики. С изменениями и дополнениями от: 25 января 2023 г., 17 июля 2025 г.], https://base.garant.ru/70828330/ (27.11.2025).
[10] Die Hauptrichtungen der Politik der Russländischen Föderation im Bereich der internationalen kulturellen und humanitären Zusammenarbeit [Основные направления политики Российской Федерации в сфере международного культурно-гуманитарного сотрудничества] a.a.O.
[11] Jutta Sommerbauer: „Wir sind keine große Kultur mehr“ [Interview mit Sergej Lebedew]. Die Presse, 22.10.2023, S. 48.
[12] So meinte der ehemalige (1998–2005) und noch lange nach seinem formalen Abschied aus der Politik einflussreiche deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in einem Gastbeitrag in einer Zeitung im Jänner 2026 (in dem er vorgab, sich um Deutschland zu „sorgen“): „Russland, das ist nicht das Land der Barbaren, sondern ein Land mit einer großen Kultur“; im gleichen Atemzug forderte er den neuerlichen „Import preiswerter Energie aus Russland“; Gerhard Schröder: „Ich sorge mich um die Zukunft unseres Landes“. Berliner Zeitung, 23.01.2026, https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/ein-jahrzehnt-der-bewaehrung-li.10015423 (25.01.2026).
[13] Zitiert nach: Andreas Karlaganis / Victor Schlothauer: Verteufelt human [Interview mit Helmut Lethen]. Burgtheater [Wien], https://2019-2024.burgtheater.at/verteufelt-human (08.02.2026).
[14] Hierbei handelt es sich um eine indirekte, aber eindeutige Umschreibung der Absicht des Kremls, die Nichtrussen sogar noch mehr als bisher an „die Wand“ zu drängen – mit dem Ziel, sie zu russifizieren.
[15] Strategie der staatlichen Nationalitätenpolitik der Russländischen Föderation für den Zeitraum bis 2036. Dekret des Präsidenten der Russischen Föderation vom 25.11.2025 Nr. 858 [Стратегия государственной национальной политики Российской Федерации на период до 2036 года. Указ Президента РФ от 25.11.2025 N 858], https://pravo.ppt.ru/ukaz/321060 (09.02.2026).
[16] Gerd Koenen: Im Widerschein des Krieges. Nachdenken über Russland. München 2023, S. 231.
[17] Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 05.09.2022 Nr. 611: Über die Verabschiedung des Konzepts der humanitären Politik der Russländischen Föderation im Ausland (in der Fassung des Dekrets des Präsidenten der Russischen Föderation vom 17.10.2022 Nr. 747) [Указ Президента Российской Федерации от 05.09.2022 г. № 611: Об утверждении Концепции гуманитарной политики Российской Федерации за рубежом (В редакции Указа Президента Российской Федерации от 17.10.2022 № 747)]. http://www.kremlin.ru/acts/bank/48280/page/1 (12.01.2026).
[18] Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 24. Dezember 2014 Nr. 808 „Über die Verabschiedung der Grundlagen der staatlichen Kulturpolitik“ [Указ Президента РФ от 24 декабря 2014 г. N 808 "Об утверждении Основ государственной культурной политики”], a.a.O.
[19] Dekret des Präsidenten der RussländischenFöderation vom 30.11.2016 Nr. 640 Über die Verabschiedung der Außenpolitischen Konzeption der Russländischen Föderation [Указ Президента Российской Федерации от 30.11.2016 г. № 640 Об утверждении Концепции внешней политики Российской Федерации], Prezident Rossii, http://www.kremlin.ru/acts/bank/41451 (14.02.2026).
[20] Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation bis zum Jahr 2020. Bestätigt durch Erlass Nr. 537 des Präsidenten der Russischen Föderation vom 12. Mai 2009. DSS-Arbeitspapiere, Heft 96 – 2009, https://slub.qucosa.de/api/qucosa%3A32546/attachment/ATT-0/ (20.11.2025), S. 31.
[21] Dekret des Präsidenten der Russischen Föderation vom 24. Dezember 2014 Nr. 808 Über die Verabschiedung der Grundlagen der staatlichen Kulturpolitik [Указ Президента РФ от 24 декабря 2014 г. N 808 Об утверждении Основ государственной культурной политики], a.a.O.
[22] Ebenda.
[23] „Westlich“ soll hier unter Anführungszeichen stehen, da die dominierende russländische Auffassung dieses Begriffs gemeint ist, die weit mehr die Projektionen, Stereotypen und propagandistischen Absichten des Putin-Regimes als reale Verhältnisse widerspiegelt.
[24] Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 31.12.2015 Nr. 683. Über die Strategie der nationalen Sicherheit der Russländischen Föderation [Указ Президента Российской Федерации от 31.12.2015 г. № 683. О Стратегии национальной безопасности Российской Федерации], http://www.kremlin.ru/acts/bank/40391 (16.01.2026).
[25] Ebenda.
[26] Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 05.09.2022 Nr. 611 [Указ Президента Российской Федерации от 05.09.2022 г. № 611], a.a.O.
[27] Das meint faktisch nur die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK), die sich durch Nähe zum Staat und seinen bewaffneten Behörden (darunter den Geheimdiensten) „auszeichnet“; vgl. Martin Malek: Postsowjetische Symbiose. Die Orthodoxe Kirche und Russlands Sicherheitsorgane. In: Welttrends, Nr. 80, September/Oktober 2011, S. 74-82.
[28] Strategie der staatlichen Nationalitätenpolitik der Russländischen Föderation für den Zeitraum bis 2036 [Стратегия государственной национальной политики Российской Федерации на период до 2036 года], a.a.O.
[29] Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 24. Dezember 2014 Nr. 808 „Über die Verabschiedung der Grundlagen der staatlichen Kulturpolitik” [Указ Президента РФ от 24 декабря 2014 г. N 808 "Об утверждении Основ государственной культурной политики”], a.a.O.
[30] A Survey of Russian Federation Foreign Policy (2007). Ministry of Foreign Affairs of the Russian Federation, Information and Press Department, https://www.mid.ru/en/foreign_policy/news/1676553/ (21.02.2026).
[31] Die Hauptrichtungen der Politik der Russländischen Föderation im Bereich der internationalen kulturellen und humanitären Zusammenarbeit [Основные направления политики Российской Федерации в сфере международного культурно-гуманитарного сотрудничества], a.a.O.
[32] Konzept der Außenpolitik der Russländischen Föderation. Verabschiedet vom Präsidenten der Russländischen Föderation W. W. Putin am 12. Februar 2013 [Концепция внешней политики Российской Федерации. Утверждена Президентом Российской Федерации В. В. Путиным 12 февраля 2013 г.], https://www.garant.ru/products/ipo/prime/doc/70218094/ (14.01.2026).
[33] Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 05.09.2022 Nr. 611 [Указ Президента Российской Федерации от 05.09.2022 г. № 611], a.a.O.
[34] Ebenda.
[35] Die Hauptrichtungen der Politik der Russländischen Föderation im Bereich der internationalen kulturellen und humanitären Zusammenarbeit [Основные направления политики Российской Федерации в сфере международного культурно-гуманитарного сотрудничества], a.a.O.
[36] Ebenda.
[37] Ebenda.
[38] Ebenda.
[39] Ebenda.
[40] Konzept der Außenpolitik der Russländischen Föderation. Verabschiedet vom Präsidenten der Russländischen Föderation W. W. Putin am 12. Februar 2013 [Концепция внешней политики Российской Федерации. Утверждена Президентом Российской Федерации В. В. Путиным 12 февраля 2013 г.], a.a.O.
[41] Konzept der Außenpolitik der Russländischen Föderation. Verabschiedet vom Präsidenten der Russländischen Föderation am 28. Juni 2000 [Концепция внешней политики Российской Федерации. Утверждена Президентом Российской Федерации 28 июня 2000 года], https://ir.rudn.ru/books/b2/30.pdf (21.02.2026).
[42] Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 24. Dezember 2014 Nr. 808 „Über die Verabschiedung der Grundlagen der staatlichen Kulturpolitik“. Mit Änderungen und Ergänzungen vom: 25. Januar 2023, 17. Juli 2025 [Указ Президента РФ от 24 декабря 2014 г. N 808 "Об утверждении Основ государственной культурной политики. С изменениями и дополнениями от: 25 января 2023 г., 17 июля 2025 г.], https://base.garant.ru/70828330 (27.11.2025).
[43] Zu dieser sogenannten „Integration“, mit der Moskau die anderen postsowjetischen Republiken auf die Rolle von „Satelliten“ verpflichten wollte, die seinem Kurs möglichst unverändert folgen, vgl. Martin Malek: „Integration“ in der GUS und die Politik Russlands. In: Landesverteidigungsakademie (Hrsg.): Integration in der GUS. Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie, 3/2010, S. 21-67.
[44] Die Hauptrichtungen der Arbeit des russischen Außenministeriums zur Entwicklung der kulturellen Beziehungen Russlands mit anderen Ländern [Основные направления работы МИД России по развитию культурных связей России с зарубежными странами], a.a.O.
[45] Konzeption der Außenpolitik der Russländischen Föderation. Verabschiedet vom Präsidenten der Russländischen Föderation D. A. Medwedjew, 12. Juli 2008 [Концепция внешней политики Российской Федерации. Утверждена Президентом Российской Федерации Д.А.Медведевым 12 июля 2008 г.], https://www.mid.ru/ru/foreign_policy/news/1670707/ (20.02.2026); Konzept der Außenpolitik der Russländischen Föderation. Verabschiedet vom Präsidenten der Russländischen Föderation W. W. Putin am 12. Februar 2013 [Концепция внешней политики Российской Федерации. Утверждена Президентом Российской Федерации В. В. Путиным 12 февраля 2013 г.], a.a.O.
[46] Die Hauptrichtungen der Arbeit des russländischen Außenministeriums zur Entwicklung der kulturellen Beziehungen Russlands mit anderen Ländern [Основные направления работы МИД России по развитию культурных связей России с зарубежными странами], a.a.O.
[47] Konzept der Außenpolitik der Russländischen Föderation. Verabschiedet vom Präsidenten der Russländischen Föderation W. W. Putin am 12. Februar 2013 [Концепция внешней политики Российской Федерации. Утверждена Президентом Российской Федерации В.В.Путиным 12 февраля 2013 г], a.a.O.
[48] Vgl. z.B. A Survey of Russian Federation Foreign Policy (2007), a.a.O.; Dekret des Präsidenten der Russländischen Föderation vom 07.05.2012 Nr. 605: Über Maßnahmen zur Umsetzung der Außenpolitik der Russländischen Föderation [Указ Президента Российской Федерации от 07.05.2012 г. № 605: О мерах по реализации внешнеполитического курса Российской Федерации]. Prezident Rossii, http://static.kremlin.ru/media/acts/files/0001201205070025.pdf (11.01.2026).
[49] Pascal Siggelkow: Wie Russland Kultureinrichtungen missbraucht. Tagesschau, 17.01.2025, https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/russland-kulturdiplomatie-100.html (26.01.2026).
[50] Koenen, Im Widerschein des Krieges, a.a.O. S. 231.
[51] Vgl. z.B. Nikolai Klimeniouk: Propaganda in bester Berliner Lage. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2024, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/buchhandlung-mnogoknig-im-russischen-haus-in-berlin-19646794.html (23.01.2026).
[52] Patrick Heinemann: Kreml-Propaganda im Herzen der Hauptstadt. Legal Tribune Online, 14.12.2022, https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/russisches-haus-keine-sanktionen-berlin-untaetig (23.01.2026).
[53] Dmytro Zhmailo: We Must Cut Off the Labor Sources of Russia’s War Machine. The Moscow Times, 13.08.2025, https://www.themoscowtimes.com/2025/08/13/we-must-cut-off-the-labor-sources-of-russias-war-machine-a90190 (13.08.2025).